Robert Shaw (1795–1863)

Robert Shaw war ein schottisch-presbyterianischer Theologe, dessen Auslegung des Bekenntnisses (Exposition of the Confession of Faith) zu einem Standardwerk der Westminster-Kommentierung wurde. Seine Darlegung ist klar, treu und allgemeinverständlich — geschrieben für einfache Gläubige, nicht für Gelehrte. ^[raw/en/wcf-intro.md]

Leben und Dienst

Shaw wirkte als Pfarrer in der schottisch-presbyterianischen Kirche in einer Zeit bedeutender theologischer Entwicklungen. Er war ein Zeitgenosse des hugh-martin|Hugh Martin, und die Werke des thomas-watson|Thomas Watson wurden in seiner Tradition weithin gelesen. Seine Auslegung des Westminster-Bekenntnisses, erstmals in den 1840er Jahren veröffentlicht, ist seither ununterbrochen im Druck.

Die Auslegung des Westminster-Bekenntnisses

Shaws Werk zeichnet sich durch seine sorgfältige Beachtung dessen aus, was die Westminster-Theologen tatsächlich meinten. Er erläutert die Genialität ihres Vorgehens: »Es ist eine eigentümliche Vorzüglichkeit des Westminster-Bekenntnisses, dass seine Verfasser die einzelnen Artikel in solchen Begriffen abgefasst haben, die am besten geeignet sind, nicht nur einen genauen Begriff der heiligen Wahrheit zu vermitteln, sondern auch gegen entgegengesetzte Irrtümer zu schützen.« ^[raw/en/wcf-ch01-s01.md]

Von der Notwendigkeit der Heiligen Schrift (WCF 1.1)

Shaw fasst die vier Aussagen zusammen, die das Bekenntnis aufstellt: (1) das Licht der Natur offenbart Gottes Existenz und Eigenschaften, sodass die Menschen ohne Entschuldigung sind; (2) diese Erkenntnis genügt nicht zur Seligkeit; (3) Gott hat daher übernatürliche Offenbarung gegeben; (4) diese Offenbarung ist nun vollständig der Schrift anvertraut. Er zeigt, wie die Worte gewählt wurden, um auf beiden Seiten gegen Irrtum zu schützen — gegen diejenigen, die die natürliche Religion leugnen, und gegen die Deisten, die sie überhöhen. ^[raw/en/wcf-ch01-s01.md]

Vom Kanon (WCF 1.2, 1.3)

Shaw zieht eine entscheidende Unterscheidung: Die Bücher der Schrift sind nicht inspiriert, weil sie kanonisch sind; sie sind kanonisch, weil sie inspiriert sind. »Die Kirche hat keine Vollmacht, irgendein Buch kanonisch zu machen, sondern nur zu erklären, welche Bücher kanonisch sind — das heißt, die Tatsache ihrer Inspiration zu bezeugen.« ^[raw/en/wcf-ch01-s02.md]

Über die Apokryphen führt Shaw vier Ablehnungsgründe an: (1) die jüdische Gemeinde hat sie nie anerkannt; (2) sie wurden nicht auf Hebräisch, sondern auf Griechisch verfasst und stammen aus der Zeit nach Maleachi; (3) weder Christus noch die Apostel führen sie als Schrift an; (4) sie enthalten geschichtliche und lehrhafte Irrtümer. ^[raw/en/wcf-ch01-s03.md]

Von der Autorität und Gewissheit der Schrift (WCF 1.4, 1.5)

Shaw unterscheidet klar zwischen den beiden Arten des Zeugnisses in den Abschnitten 4 und 5. In Abschnitt 4 spricht das Bekenntnis vom Zeugnis für die Wahrheit der Schrift; in Abschnitt 5 spricht es vom Zeugnis für ihre Echtheit. Die Kirche kann bezeugen, dass Paulus den Römerbrief geschrieben hat, aber sie kann den Römerbrief nicht autoritativ machen. ^[raw/en/wcf-ch01-s04.md]

Zur Gewissheit unterscheidet Shaw den geschichtlichen Glauben (intellektuelle Zustimmung aufgrund äußerer Beweise) vom heilbringenden Glauben (völlige Überzeugung durch das innere Wirken des Geistes). »Ein Mensch kann überzeugt sein, dass die Schriften wahr sind, und dennoch unbekehrt bleiben. Wenn aber der Geist durch das Wort und mit dem Wort Zeugnis gibt, glaubt die Seele nicht nur die Wahrheit der Schrift, sondern nimmt sie als das Wort Gottes an.« ^[raw/en/wcf-ch01-s05.md]

Von der Zulänglichkeit der Schrift (WCF 1.6)

Shaw verteidigt den Grundsatz der »guten und notwendigen Folge« gegen die Sozinianer, die einwandten, dass nichts angenommen werden dürfe, was nicht in ausdrücklichen Worten ausgesprochen sei. Er antwortet: »Es ist unmöglich, das Wort Gottes zu erklären oder anzuwenden, ohne Folgerungen daraus zu ziehen.« ^[raw/en/wcf-ch01-s06.md]

Vom höchsten Richter (WCF 1.10)

Shaw entfaltet die kirchlichen Folgerungen: Synoden und Konzilien sind keine gesetzgebenden Körperschaften, sondern dienende Gremien, die mit der Auslegung und Anwendung des Gesetzes betraut sind, das Gott bereits gegeben hat. Ihre Beschlüsse binden das Gewissen nur insofern, als sie mit dem Wort übereinstimmen. ^[raw/en/wcf-ch01-s10.md]

Von der Lehre Gottes

Shaw zeichnet die logische Folge von WCF 2.2 nach: Gottes selbstexistentielle Fülle führt zur schöpferischen Souveränität, die zum erschöpfenden Wissen führt, das zur vollkommenen Heiligkeit führt, welche wiederum zur Anbetung führt, die Ihm gebührt. ^[raw/en/wcf-ch02-s01.md]

Von der Vorherbestimmung

Shaw unterstreicht die Besonderheit des Ratschlusses (WCF 3.3–4): »Die Formulierung ›einige Menschen und Engel‹ besagt, dass Gott nicht bloß beschlossen hat, eine bestimmte Art von Menschen zu erretten … sondern dass Er beschlossen hat, bestimmte einzelne Personen zu erretten, die Ihm mit Namen bekannt sind, deren Zahl feststeht und unabänderlich ist.« ^[raw/en/wcf-ch03-s03.md]

Hauptwerke

Siehe auch

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