Andacht 6 von 171

Die Genügsamkeit der Schrift: Ist die Bibel genug?

Kap.1: Von der Heiligen Schrift — Abschnitt 6 • 2026-05-12 • 36 Min.

Das Bekenntnis

Der ganze Ratschluss Gottes über alles, was zu seiner eigenen Ehre und zur Seligkeit, zum Glauben und Leben der Menschen notwendig ist, ist entweder ausdrücklich in der Heiligen Schrift niedergelegt oder kann durch gute und notwendige Folgerung aus ihr abgeleitet werden. Zu ihm darf nichts jemals hinzugefügt werden, weder durch neue Offenbarungen des Geistes noch durch Überlieferungen von Menschen. Dennoch erkennen wir die innere Erleuchtung des Geistes Gottes als notwendig an für das heilsame Verständnis dessen, was im Wort geoffenbart ist. Und wir anerkennen, dass es gewisse Umstände in Bezug auf die Anbetung Gottes und die Leitung der Kirche gibt, die menschlichen Handlungen und Gesellschaften gemeinsam sind und nach dem Licht der Natur und christlicher Klugheit geordnet werden müssen, jedoch gemäss den allgemeinen Regeln des Wortes, die immer zu beachten sind.

Einleitung: Ist die Bibel genug?

Es gibt eine Frage, die jede Generation der Kirche neu beantworten muss. Sie handelt nicht von Archäologie oder alten Handschriften. Sie handelt nicht von Übersetzung oder Auslegung. Es ist eine Frage, die ins innerste Herz dessen reicht, was es bedeutet, ein Christ zu sein: Ist die Bibel genug? Die Kirche war immer versucht, diese Frage mit einem leisen, gutgemeinten Nein zu beantworten. Nicht mit einem trotzigen, lauten Nein — wie es der Spötter von der Strasse ruft. Sondern mit einem höflichen, fast unmerklichen Nein. Man fügt etwas hinzu, ohne je laut zu sagen, die Schrift sei unzureichend. Eine Tradition hier. Eine neue Offenbarung dort. Eine Regel, die die Schrift nie geboten hat. Eine Praxis, die menschliche Weisheit auf die Stufe göttlicher Anordnung erhebt. Die Reformatoren der Schweiz — Zwingli in Zürich, Calvin in Genf, Bullinger als Hirte der ganzen reformierten Welt — haben diese Frage mit einem klaren, befreienden Ja beantwortet. Die Heilige Schrift enthält alles, was wir zum Heil brauchen. Sie ist nicht der erste Band einer Reihe, die von der Kirche fortgeschrieben wird. Sie ist nicht das Sprungbrett, von dem aus der Geist uns in höhere Sphären führt. Sie ist der ganze Ratschluss Gottes. Und genau das lehrt auch dieser Abschnitt des Westminster Bekenntnisses. In Abschnitt 4 haben wir gesehen, dass die Autorität der Schrift ganz auf Gott beruht, der ihr Urheber ist. In Abschnitt 5 haben wir gelernt, dass unsere volle Gewissheit dieser Autorität aus dem inneren Zeugnis des Heiligen Geistes kommt. Doch diese beiden Abschnitte werfen eine weiterführende Frage auf — und es ist eine der praktischsten Fragen, die ein Christ stellen kann: Was enthält die Schrift eigentlich? Ist sie eine Teiloffenbarung — eine erste Anzahlung, die auf Ergänzung durch die Kirche oder durch den Geist wartet? Oder ist sie der vollständige Ratschluss Gottes, ausreichend für alles, was zu Gottes Ehre, zur Seligkeit, zum Glauben und zum Leben notwendig ist?

Die biblischen Grundlagen

Die Lehre von der Genügsamkeit der Schrift ist keine menschliche Erfindung. Sie ist die klare Lehre des Wortes Gottes selbst. Die Bibel bezeugt an vielen Stellen, dass sie vollständig und ausreichend ist für alles, was Gott von uns wissen will und was wir zu unserer Rettung brauchen. Der Apostel Johannes schliesst sein Evangelium mit einer bemerkenswerten Zweckbestimmung. Er schreibt: «Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.» Johannes sagt nicht: «Diese Dinge sind als Einführung in den Glauben geschrieben, und weitere Offenbarungen werden ergänzen, was noch fehlt.» Er sagt nicht: «Diese Dinge sind ein Anfang, und die Kirche wird liefern, was darüber hinaus nötig ist.» Er sagt: Was geschrieben steht — der Bericht des Evangeliums selbst — ist genug, um rettenden Glauben an Jesus Christus zu wirken und ewiges Leben durch diesen Glauben zu schenken. Lass das auf dich wirken, lieber Hörer. Das geschriebene Wort hat die Kraft, eine tote Seele zum Leben zu erwecken. Was könnten wir mehr von ihm verlangen? Welche Ergänzung könnte ein Buch verbessern, das vollbringt, was nur Gott vollbringen kann — die Wiedergeburt des menschlichen Herzens? Der Genfer Theologe Francis Turretin bemerkt dazu: Der Zweck, zu dem die Schrift gegeben wurde, ist die Rettung der Menschen durch den Glauben an Christus. Wenn die Schrift diesen Zweck erreicht, dann ist sie ausreichend für das, wozu Gott sie gegeben hat. Der Herr Jesus selbst erzählt eine Geschichte, die zu den eindrücklichsten Bestätigungen der Genügsamkeit der Schrift in der ganzen Bibel gehört. Der reiche Mann in der Qual bittet Abraham, Lazarus von den Toten zurückzusenden, um seine fünf Brüder zu warnen. Eine Auferstehung — ein Wunder von solchem Ausmass — würde sie doch sicher zur Busse bewegen. Aber Abrahams Antwort durchtrennt all unsere Annahmen: «Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.» Und als der Reiche einwendet, ein Toter, der aufersteht, würde sie gewiss überzeugen, kommt die Antwort, so scharf wie ein Messer: «Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.» Der Herr Jesus legt diese Worte Abraham in den Mund und lehrt uns damit etwas über das Wesen der Schrift. Das geschriebene Wort ist keine zweitrangige Offenbarung, die den Zeichen und Wundern unterlegen wäre. Es ist kein vorläufiger Ersatz, bis etwas Besseres kommt. Es ist das von Gott verordnete Mittel, durch das er Sünder zur Busse ruft. Ein Mensch, der von den Toten aufersteht, würde der Autorität von Mose und den Propheten nichts hinzufügen. Die Schrift ist genug. Schon im Alten Bund stand dieses Prinzip als ehernes Gebot über dem Volk Gottes. Mose spricht: «Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr tun. Du sollst nichts dazutun und nichts davontun.» Dieses Verbot steht am Eingang des Bundesgesetzes und warnt Israel — und durch Israel die ganze Kirche Gottes — dass das Wort eine versiegelte Hinterlassenschaft ist. Du darfst nichts hinzufügen. Du darfst nichts wegnehmen. Du darfst es nicht mit deiner eigenen Weisheit verbessern. Du darfst es nicht mit menschlichen Überlieferungen ergänzen. Du darfst es nicht dem Zeitgeist anpassen. Der Apostel Paulus öffnet uns im Römerbrief ein Fenster in den Zweck der alttestamentlichen Schriften — und damit in den Zweck der ganzen Schrift. Er schreibt: «Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.» Alles, was geschrieben wurde — die Geschichten, die Psalmen, die Weissagungen, die Gesetze — wurde zu unserer Belehrung geschrieben. Das griechische Wort, das hier steht, ist didaskalia, wovon wir unser Wort Didaktik ableiten. Die Schrift ist eine Schule, und jede Seite eine Lektion. Doch beachte, was die Schrift hervorbringt: Geduld, Trost und Hoffnung. Paulus sagt nicht, dass die Schrift uns einen Teil dessen gibt, was wir zur Geduld brauchen, und der Rest muss von anderswo kommen. Er sagt: Durch die Schrift — durch das geschriebene Wort — besitzen wir diese Dinge. Der Trost des Gläubigen, die Geduld des leidenden Heiligen, die Hoffnung des sterbenden Christen — all das wird aus dem Brunnen der Schrift geschöpft. Und dieser Brunnen, so versichert uns Paulus, ist tief genug für jede Not. An einer Stelle, die wir schon in früheren Abschnitten gestreift haben, spricht Paulus das Herzstück der Lehre von der Genügsamkeit aus. Er schreibt an Timotheus: «Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.» Zwei griechische Wörter sind hier von höchster Bedeutung. Das erste ist artios — «vollkommen», das heisst: vollständig ausgerüstet, es fehlt an nichts. Das zweite ist exartizo — «geschickt», das heisst: für die anstehende Aufgabe durch und durch zugerüstet. Das Bild ist das eines Schiffes, das für eine lange Reise vollständig ausgerüstet ist. Alles, was für die Fahrt nötig ist, ist schon an Bord. Der Mensch Gottes, ausgestattet mit der Schrift, hat alles, was zum Leben des Glaubens und des Gehorsams notwendig ist. Er muss nicht in den Hafen zurückkehren, um zusätzliche Vorräte zu holen. Er muss seine Ladung nicht mit Überlieferungen oder Neuerungen ergänzen. Die Schrift macht den Menschen Gottes artios — vollständig, fähig, zu jedem guten Werk bereit.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Westminster-Väter verfassten diesen Abschnitt als sorgfältig ausgewogene Antwort auf mehrere Irrlehren. Um ihre Absicht zu verstehen, müssen wir die drei Fronten sehen, gegen die sie kämpften. Der ganze Ratschluss Gottes Die ersten Worte dieses Abschnitts sind nichts weniger als atemberaubend. Die Väter bekennen, dass die Schrift «den ganzen Ratschluss Gottes» enthält — über alles, was zu seiner eigenen Ehre, zur Seligkeit, zum Glauben und zum Leben der Menschen notwendig ist. Nicht einen Teil des Ratschlusses. Nicht den groben Umriss, den die Kirche noch ausfüllen müsste. Den ganzen Ratschluss — alles, was Gott uns zu diesen Zwecken zu offenbaren beschlossen hat. Diese Wendung vom «ganzen Ratschluss Gottes» stammt aus der Abschiedsrede des Paulus an die Ältesten von Ephesus, wo er sagt: «Ich habe nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.» Drei Jahre war der Apostel bei ihnen gewesen und hatte sie alles gelehrt, was nötig war. Er hatte die harten Lehren nicht zurückgehalten. Er hatte keine geheime Weisheit für eine geistliche Elite reserviert. Er gab ihnen den ganzen Ratschluss Gottes. Die Väter sind sorgfältig darin, zu benennen, wofür die Schrift genügsam ist. Sie ist genügsam für «alles, was zu seiner eigenen Ehre und zur Seligkeit, zum Glauben und Leben der Menschen notwendig ist». Diese Einschränkung ist entscheidend. Die Schrift ist keine Enzyklopädie allen menschlichen Wissens. Sie lehrt dich weder Mathematik noch Medizin noch Handwerk. Sie beantwortet nicht jede Frage, die deine Neugier stellen mag. Aber sie beantwortet jede Frage, die deine Seele stellen muss. Sie offenbart alles, was du wissen musst, um Gott zu ehren, gerettet zu werden, recht zu glauben und gottgefällig zu leben. Die zwei verbotenen Hinzufügungen Dann ziehen die Väter eine Linie, die niemals überschritten werden darf: Nichts darf jemals hinzugefügt werden. Sie nennen zwei Arten von Hinzufügung — und beide waren in ihrer Zeit eine brennende Auseinandersetzung, und beide sind es, wie sich zeigt, auch in unserer. Die erste verbotene Hinzufügung sind «neue Offenbarungen des Geistes». Hier hatten die Väter die Schwärmer im Blick — jene, die behaupteten, der Heilige Geist gebe neue Offenbarungen jenseits dessen, was in der Schrift geschrieben steht. Die Täufer der radikalen Reformation beriefen sich oft auf unmittelbare Offenbarungen des Geistes und stellten das innere Licht über das geschriebene Wort. In England lehrten die Quäker, der Geist spreche unmittelbar zum Einzelnen und diese innere Stimme habe Vorrang vor dem äusseren Wort. Gegen alle diese Behauptungen sprechen die Väter ein absolutes Verbot aus. Der Geist, der die Schrift eingegeben hat, widerspricht der Schrift nicht. Er fügt der Schrift nichts hinzu. Er gibt keine neuen Offenbarungen, die das geschriebene Wort ergänzen oder gar ersetzen. Der Kanon ist geschlossen. Das Werk des Geistes ist jetzt nicht, neue Wahrheit zu geben, sondern die schon gegebene Wahrheit zu erleuchten. Calvin sagt: «Das Amt des Geistes ist nicht, neue Offenbarungen hervorzubringen, sondern die Lehre, die das Evangelium uns empfiehlt, unserem Verstand einzuprägen.» Die zweite verbotene Hinzufügung sind «Überlieferungen von Menschen». Hier hatten die Väter Rom im Visier. Das Konzil von Trient hatte erklärt, dass die ungeschriebenen Überlieferungen, die durch die Kirche weitergegeben werden, die gleiche Autorität besitzen wie die geschriebene Schrift. Rom lehrte, dass der Schatz des Glaubens aus Schrift und Tradition bestehe — und dass die Kirche die Hüterin beider sei. Die Väter verwarfen dies mit der ganzen Wucht reformatorischer Überzeugung. Menschliche Überlieferungen — wie alt, wie ehrwürdig, wie weit verbreitet auch immer — dürfen dem Wort Gottes nicht hinzugefügt werden. Die Bibel allein ist die Richtschnur des Glaubens und des Lebens. Der schottische Ausleger Robert Shaw schreibt: Rom «bekennt, die Schrift als Gottes Wort anzunehmen, und fügt doch ihre Überlieferungen als ergänzende Glaubensregel hinzu — und leugnet damit faktisch ihre Genügsamkeit.» Das «Dennoch» — drei wichtige Klarstellungen Doch die Väter belassen es mit charakteristischer Weisheit nicht bei einem einfachen Verbot. Sie fügen ein «Dennoch» hinzu, das drei entscheidende Punkte klarstellt. Erstens anerkennen sie, «dass die innere Erleuchtung des Geistes Gottes notwendig ist für das heilsame Verständnis dessen, was im Wort geoffenbart ist.» Dies ist ein entscheidendes Gleichgewicht. Die Schrift ist objektiv genügsam — die Wahrheit steht auf dem Blatt. Aber das menschliche Herz, durch die Sünde verfinstert, kann diese Wahrheit nicht ohne die Erleuchtung des Geistes erfassen. Derselbe Geist, der das Wort eingegeben hat, muss unsere Augen öffnen, um seine Herrlichkeit zu sehen. Doch beachte: Der Geist fügt keinen neuen Inhalt hinzu. Er erleuchtet, was schon da ist. Die Lehre von der Genügsamkeit ist keine Leugnung des Wirkens des Geistes; sie ist der Rahmen, in dem der Geist wirkt. Zweitens anerkennen die Väter, dass es «gewisse Umstände in Bezug auf die Anbetung Gottes und die Leitung der Kirche gibt, die menschlichen Handlungen und Gesellschaften gemeinsam sind und nach dem Licht der Natur und christlicher Klugheit geordnet werden müssen, jedoch gemäss den allgemeinen Regeln des Wortes, die immer zu beachten sind.» Dies ist einer der am sorgfältigsten formulierten Sätze im ganzen Bekenntnis, und er verdient unsere genaue Aufmerksamkeit. Die Väter unterscheiden zwischen dem Wesen der Anbetung und den Umständen der Anbetung. Das Wesen — was Gott in seinem Wort gebietet — ist fest und unabänderlich. Aber die Umstände — die Uhrzeit des Gottesdienstes, die Anordnung der Sitzplätze, die Abfolge der Liturgie in nicht gebotenen Dingen — diese sind nicht in der Schrift festgelegt und müssen nach Klugheit geordnet werden. Aber beachte die entscheidende Einschränkung: Diese Umstände müssen «gemäss den allgemeinen Regeln des Wortes» geordnet werden. Christliche Klugheit ist niemals unabhängig. Sie handelt immer unter der Autorität der Schrift. Die allgemeinen Regeln des Wortes — dass alles anständig und ordentlich geschehe, dass die Anbetung erbaulich sei, dass das Gewissen nicht gebunden werde, wo die Schrift schweigt — diese Regeln bestimmen jede Entscheidung, die die Kirche über Umstände trifft. Francis Turretin erklärt diesen Unterschied mit der ihm eigenen Präzision. Er schreibt, dass es notwendige Dinge gibt — die Lehren und Pflichten, die Gott ausdrücklich geboten hat — und es gibt freie Dinge, die sogenannten Adiaphora, die in sich selbst unbestimmt sind. Aber selbst die freien Dinge sind nicht dem Belieben des Menschen überlassen. Sie müssen nach dem Licht der Vernunft und nach den allgemeinen Regeln der Schrift geordnet werden. Christliche Klugheit, so Turretin, «ist keine Erlaubnis zur Neuerung; sie ist Weisheit in der Anwendung der allgemeinen Regeln auf besondere Fälle.»

Theologische Tiefe

John Owen über die Vollkommenheit der Schrift John Owen, der Fürst der puritanischen Theologen, widmete einen Grossteil seines gewaltigen Werkes «Der göttliche Ursprung der Schrift» der Verteidigung der Genügsamkeit und Vollkommenheit des geschriebenen Wortes. Für Owen war die Genügsamkeit der Schrift keine abstrakte Lehre, sondern eine seelsorgerliche Notwendigkeit. Der Gläubige muss wissen, dass alles zum Heil Notwendige bereits in seinen Händen liegt. Owen argumentiert, dass die Schrift den «ganzen Ratschluss Gottes» enthält, weil sie den ganzen Christus offenbart. Er schreibt: «Die Schrift ist das Schatzhaus aller heilsamen Wahrheit. In ihr ist der ganze Ratschluss Gottes enthalten, sowohl was seine eigene Ehre auf dem Weg der Erlösung betrifft, als auch die ganze Pflicht des Menschen in dieser Hinsicht.» Dies ist eine Schatzkammer, die niemals versiegt. Je mehr du aus ihr schöpfst, desto mehr gibt sie her. Der ärmste Heilige, der nichts als eine Bibel besitzt, ist reicher als der reichste König, der alles ausser einer Bibel besitzt. Owen besteht auch darauf, dass die Genügsamkeit der Schrift ein Trost für den schwächsten Gläubigen ist. Du musst kein Gelehrter sein, um den ganzen Ratschluss Gottes zu besitzen. Du musst weder Hebräisch noch Griechisch beherrschen. Du musst nicht die Kirchenväter lesen. Alles zum Heil Notwendige ist klar in der Schrift dargelegt, und der Geist, der in jedem Gläubigen wohnt, öffnet die Augen des Herzens, um es zu sehen. Owen schreibt: «Die in der Schrift geoffenbarte Wahrheit ist dem geringsten Gläubigen nicht verborgen, der sie mit Gebet und Demut sucht.» Aber Owen spricht auch eine Warnung aus. Wenn die Schrift genügsam ist, dann bedeutet die Vernachlässigung der Schrift, die einzige Vorkehrung zu vernachlässigen, die Gott für deine Seele getroffen hat. Es gibt keine andere Quelle heilsamer Wahrheit. Es gibt keine andere Richtschnur für Glauben und Leben. Wenn du aus diesem Brunnen nicht trinken willst, wirst du verdursten. Owens Worte schneiden tief: «Wer die Schrift verachtet, verachtet das einzige Mittel, das Gott für seine ewige Seligkeit verordnet hat.» Francis Turretin über notwendige Dinge und Umstände Francis Turretin, der grosse Genfer Theologe — in der Stadt also, in der Calvin lehrte und von der aus die Reformation in die ganze Welt ausstrahlte — gibt die genaueste theologische Analyse des Unterschieds zwischen den in der Schrift geoffenbarten notwendigen Dingen und den nach Klugheit zu ordnenden Umständen. Turretin zeigt, dass dieser Unterschied wesentlich ist, um sowohl die Genügsamkeit der Schrift als auch die Freiheit der Kirche zu bewahren. Turretin unterscheidet drei Kategorien. Erstens: Dinge, die zum Heil notwendig sind — die Lehren der Dreieinigkeit, der Menschwerdung, der Versöhnung, der Rechtfertigung aus Glauben. Diese sind ausdrücklich in der Schrift niedergelegt und dürfen nicht verändert werden. Zweitens: Dinge, die «durch gute und notwendige Folgerung aus der Schrift abgeleitet werden können» — Lehren wie die Kindertaufe oder die Dreieinigkeit selbst, die nicht in einem einzigen Beweistext stehen, aber die notwendige Schlussfolgerung des gesamten biblischen Zeugnisses sind. Drittens: Umstände — Zeit und Ort des Gottesdienstes, die äussere Form der Kirchenleitung — die der christlichen Klugheit überlassen sind. Turretins grosser Beitrag ist sein Beharren darauf, dass die zweite Kategorie — gute und notwendige Folgerung — kein Schlupfloch ist, sondern ein legitimer Grundsatz der Schriftauslegung. Er schreibt: «Es ist nicht nötig, dass eine Lehre mit genau diesen Worten in der Schrift steht; es genügt, wenn sie durch rechtmässiges Folgern aus der Schrift abgeleitet werden kann.» So hat die Kirche im vierten Jahrhundert die Lehre der Dreieinigkeit formuliert — nicht indem sie das Wort «Dreieinigkeit» in der Bibel fand, sondern indem sie alles zusammensetzte, was die Schrift über den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist lehrt, und die notwendige Schlussfolgerung zog. Die Gottheit Christi, die Persönlichkeit des Geistes, die zwei Naturen in einer Person — all das wird aus der Schrift durch gute und notwendige Folgerung abgeleitet. Der Kompass, die Verfassung und die Schatzkammer Die Reformatoren und Puritaner liebten es, durch Bilder zu lehren, und die Lehre von der Genügsamkeit der Schrift gab ihnen reiches Material. Lass mich dir drei Bilder vor Augen stellen, die der Kirche gute Dienste geleistet haben. Erstens: Die Schrift ist wie ein Kompass. Ein Kompass beschreibt nicht jeden Felsen und jeden Baum am Weg. Er sagt dir nicht, wann du rasten oder wie schnell du gehen sollst. Aber er gibt dir das Eine, was du unbedingt haben musst: die Richtung nach Norden. Er orientiert dich. Er bewahrt dich vor dem Verirren. So beantwortet die Schrift nicht jede Frage der Umstände, aber sie gibt dir die festen Punkte, nach denen jede Entscheidung ausgerichtet werden muss — das Wesen Gottes, das Evangelium Christi, das moralische Gesetz, das Ziel der Erlösung. Mit diesen festen Punkten kann christliche Klugheit die Einzelheiten bewältigen. Ohne sie ist selbst der klügste Mensch verloren. Zweitens: Die Schrift ist wie eine Verfassung. Eine Staatsverfassung regelt nicht jede Einzelheit des bürgerlichen Lebens. Sie legt die grundlegenden Prinzipien fest, die Rechte der Bürger, die Grenzen der Regierung. Örtliche Verordnungen füllen die Einzelheiten aus — aber sie dürfen niemals der Verfassung widersprechen. So ist die Schrift die Verfassung der Kirche. Sie legt die grundlegenden Lehren fest, die Ordnungen des Gottesdienstes, das moralische Gesetz. Die Kirche darf ihre Umstände ordnen — die Stunde des Gottesdienstes, die Form der Mitteilungen, die Zahl der Ältesten — aber sie darf niemals eine «Verordnung» erlassen, die der Verfassung widerspricht. Die allgemeinen Regeln des Wortes bestimmen immer. Drittens — und dies ist vielleicht das schönste Bild — ist die Schrift eine volle Schatzkammer. Alles, was du für deine Reise zur himmlischen Stadt brauchst, ist darin enthalten. Brot für den Hungrigen, Wasser für den Durstigen, Waffen für den Kampf, Arznei für den Verwundeten, eine Karte für den Verirrten, ein Stärkungstrank für den Ermatteten. Und der Schlüssel zu dieser Schatzkammer ist der Glaube, und die Hand, die den Schlüssel dreht, ist der Heilige Geist. Geliebter, glaubst du das? Glaubst du, dass alles, was du brauchst, in diesem Buch ist? Wenn ja, warum läufst du zu anderen Ratgebern? Warum suchst du Zeichen und Wunder? Warum bist du ruhelos, immer auf der Suche nach etwas mehr, wenn die Fülle des Ratschlusses Gottes schon in deinen Händen liegt? Ulrich Zwingli und das Schriftprinzip der Schweizer Reformation Für uns in der Schweiz hat die Lehre von der Genügsamkeit der Schrift einen besonderen Klang. Denn es war Zwingli, der am Tag seines Amtsantritts am Grossmünster etwas tat, das die ganze Reformation prägen sollte: Er kündigte an, nicht mehr den vorgeschriebenen Perikopen zu folgen, sondern das Matthäusevangelium fortlaufend auszulegen. «Nicht Menschenworte,» sagte er, «sondern das Wort Gottes selbst soll von der Kanzel erklingen.» Dieser eine Entschluss — die Schrift selbst zur Richtschnur zu nehmen — war die Geburtsstunde der reformierten Schweiz. Zwingli begann jeden Morgen vor Tagesanbruch mit der Schrift. Er entzündete eine Kerze und las das griechische Neue Testament, bevor er sich den Geschäften des Tages zuwandte. Er wusste: Ohne das frische Wort aus Gottes Mund hatte er nichts zu sagen. Aus dieser täglichen Vertiefung in die Schrift erwuchs das, was man das reformierte Schriftprinzip nannte: Die Bibel allein ist die Quelle und Norm aller christlichen Lehre und allen christlichen Lebens. Heinrich Bullinger, Zwinglis Nachfolger und über vier Jahrzehnte der führende Theologe der reformierten Welt, schrieb dieses Prinzip in das Zweite Helvetische Bekenntnis von 1566 — das in der Schweiz, in Ungarn, in Polen und in Schottland angenommen wurde. Im ersten Kapitel, «Von der Heiligen Schrift», bekennt Bullinger: «Das gepredigte Wort Gottes ist das Wort Gottes. Und wenn dieses Wort Gottes jetzt in der Kirche durch ordentlich berufene Prediger verkündigt wird, so glauben wir, dass Gottes Wort selbst verkündigt und von den Gläubigen aufgenommen wird.» Und er fügt hinzu: «Wir anerkennen keine andere Quelle der Wahrheit als die Heilige Schrift.» Bullinger geht noch weiter und setzt eine klare Grenze gegen die Schwärmer seiner Zeit: «Wir verwerfen alle Träume, Eingebungen und Schwärmereien, die ohne oder gegen das Wort Gottes sind. Denn Gott will, dass wir sein klares Wort hören und dem folgen.» Das ist genau die Position, die auch die Westminster-Väter in diesem Abschnitt vertreten: Der Geist wirkt nicht neben der Schrift oder gegen die Schrift, sondern durch die Schrift.

Anwendung für das reformierte Leben

Lass uns nun diese grossen Wahrheiten auf den Boden unserer eigenen Seele herunterholen. Die Lehre von der Genügsamkeit der Schrift ist keine Waffe für theologische Streitgespräche allein; sie ist Brot zum Essen, Wasser zum Trinken, Licht zum Gehen. Erstens: Lebst du, als ob die Schrift genug wäre? Das ist eine durchdringende Frage. Viele von uns bekennen, dass die Bibel ausreicht, aber unser Leben erzählt eine andere Geschichte. Wir suchen Führung in Persönlichkeitstests, im neuesten Ratgeber, in der Weisheit der Welt, in christliches Vokabular gekleidet. Wir befragen unsere Gefühle, als wären sie Orakel. Wir warten auf Zeichen und Bestätigungen, als wäre Gottes Wort nicht klar genug, um unsere Schritte zu lenken. Aber wenn die Schrift genügsam ist, dann ist sie genügsam für deine Entscheidungen, deine Beziehungen, deine Prüfungen, deine Trauer, deine Arbeit, deine Anbetung — für alles. Die Frage der Puritaner an uns lautet: Wenn du vor einer schwierigen Wahl stehst, schlägst du das Wort auf und suchst nach Grundsätzen, die dich leiten? Oder schlägst du dein Handy auf und suchst nach Meinungen? Der Kompass ist in deiner Hand. Schaust du auf ihn? Zweitens: Fügst du dem Wort Gottes menschliche Überlieferungen hinzu? Das ist nicht nur ein römisch-katholischer Irrtum, obwohl Rom das auffälligste Beispiel ist. Jede Kirche, jede Tradition, jede Familie hat ungeschriebene Regeln, die sich mit der Zeit anhäufen und das Gewissen binden, wo die Schrift es freigelassen hat. Die Kirche, die sagt: «Du musst in diesem Stil anbeten, sonst bist du nicht wirklich reformiert.» Die Eltern, die sagen: «Du musst auf diese Weise den Ehepartner finden, sonst bist du nicht wirklich gottesfürchtig.» Das Gewissen, das sagt: «Du musst so fühlen, sonst bist du nicht wirklich errettet.» All das sind Überlieferungen von Menschen, und sie müssen am Wort geprüft werden. Robert Shaw bringt es auf den Punkt: «Wo die Bibel schweigt, muss auch die Kirche schweigen — zumindest in Fragen des Glaubens und des Gewissens.» Das ist der grosse Grundsatz christlicher Freiheit. Gott allein ist der Herr des Gewissens. Wo er nicht gesprochen hat, darf kein Mensch in seinem Namen sprechen. Drittens: Gebrauchst du das Licht der Natur und die christliche Klugheit recht? Das Bekenntnis anerkennt, dass Umstände, die die Schrift nicht bestimmt, nach Weisheit geordnet werden müssen. Das ist keine Erlaubnis, zu tun, was dir richtig erscheint. Es ist ein Ruf, geheiligtes Urteilsvermögen unter der Autorität des Wortes auszuüben. Die allgemeinen Regeln der Schrift — dass alles anständig und ordentlich geschehe, dass die Liebe das leitende Prinzip sei, dass der schwächere Bruder berücksichtigt werde, dass das Evangelium nicht behindert werde — diese Regeln müssen jede Entscheidung über Umstände prägen. Überlege, wie das auf den Gottesdienst zutrifft. Die Schrift gebietet uns zu singen, zu beten, das Wort zu lesen, zu predigen, die Sakramente zu verwalten. Aber sie sagt uns nicht, um welche Zeit wir uns versammeln sollen, welche Instrumente wir verwenden, welche Melodien wir singen. Das sind Umstände, und sie sind nach christlicher Klugheit unter den allgemeinen Regeln zu ordnen. Die eine Kirche singt nur Psalmen, die andere auch freie Lieder. Die eine verwendet eine Orgel, die andere eine Gitarre. Solange das Wesen des Gottesdienstes bewahrt und die allgemeinen Regeln beachtet werden, herrscht christliche Freiheit — und mit ihr muss christliche Liebe herrschen. Viertens: Suchst du die Erleuchtung des Geistes, wenn du das Wort liest? Das Bekenntnis verbindet sein starkes Bekenntnis zur Genügsamkeit mit der ebenso starken Anerkennung, dass das innere Wirken des Geistes zum heilsamen Verständnis notwendig ist. Die Bibel ist kein Lehrbuch, das jeder Unbekehrte allein durch Studium meistern kann. Sie ist ein geistliches Buch, und ihre Wahrheiten werden geistlich erkannt. Darum, Geliebter, öffne niemals deine Bibel, ohne zuvor dein Herz im Gebet zu öffnen. Bitte den Geist, der das Wort eingegeben hat, das Wort zu erleuchten. Bete mit dem Psalmisten: «Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.» Derselbe Geist, der die Schrift durch die Zeiten bewahrt hat, ist der Geist, der ihren Sinn dem demütigsten Gläubigen aufschliesst. Fünftens: Ruhe in dem Trost, dass alles Notwendige schon gegeben ist. Eine der gesegnetsten Früchte dieser Lehre ist eine stille Gewissheit. Du musst nicht auf ein neues Wort des Herrn warten. Du musst dir keine Sorgen machen, dass Gott etwas ausgelassen hat. Du musst nicht fürchten, die Bibel sei unvollständig und warte auf eine letzte Offenbarung, die das Fehlende ergänzt. Alles, was zu Gottes Ehre notwendig ist — die Anbetung, die er fordert, die Ehre, die ihm gebührt, der Name, den er geoffenbart hat — steht in der Schrift. Alles, was zu deiner Seligkeit notwendig ist — die Person und das Werk Christi, der Weg der Busse und des Glaubens, die Verheissungen des Evangeliums — steht in der Schrift. Alles, was zum Glauben notwendig ist — was du über Gott, dich selbst, die Sünde, die Gnade, den Himmel und die Hölle glauben musst — steht in der Schrift. Alles, was zum Leben notwendig ist — wie du deinen Nächsten lieben, deine Kinder erziehen, deine Arbeit tun, leiden und sterben sollst — steht in der Schrift. Die Bibel ist genug. Sechstens: Bewahre den geschlossenen Kanon mit heiligem Eifer. Die Väter sagen, dass «niemals» etwas zur Schrift hinzugefügt werden darf. Nicht im ersten Jahrhundert. Nicht im siebzehnten. Nicht im einundzwanzigsten. Niemals. Der Kanon wurde geschlossen, als der letzte Apostel die Feder niederlegte. Der Glaube wurde den Heiligen ein für alle Mal überliefert, und er wird nicht noch einmal überliefert werden. Das bedeutet: Jeder Anspruch einer neuen Offenbarung muss geprüft — und verworfen werden, wenn er beansprucht, dem Wort etwas hinzuzufügen. Der Prophet, der sagt: «So spricht der Herr,» und Worte spricht, die nicht in der Schrift stehen — er ist ein falscher Prophet. Die Kirche, die sagt: «Der Geist tut etwas Neues,» und auf etwas jenseits der Bibel zeigt — sie ist eine verführte Kirche. Die innere Stimme, die flüstert: «Gott hat mir etwas gesagt, was er dir nicht gesagt hat» — diese Stimme ist nicht der Heilige Geist. Aber den Kanon bewahren heisst auch, ihn vor Wegnahme zu bewahren. Wir fügen dem Wort hinzu, wenn wir Regeln auferlegen, die Gott niemals geboten hat. Wir nehmen vom Wort weg, wenn wir Gebote übergehen, die Gott gegeben hat. Der Gott, der sagte: «Du sollst nichts dazutun», sagte auch: «und nichts davontun.» Verkündigst du den ganzen Ratschluss Gottes? Glaubst du ihn? Lebst du nach ihm? Oder hast du still die Teile entfernt, die dir unbequem sind — die Lehre von der Erwählung, die Wirklichkeit der Hölle, den Ruf zur Selbstverleugnung, das Gebot zu vergeben? Die Genügsamkeit der Schrift ist ein Trost für das glaubende Herz, aber ein Schrecken für den ungehorsamen Willen. Wenn die Schrift genug ist, dann hast du keine Entschuldigung. Alles, was du wissen musst, ist dir gesagt. Alles, was du tun musst, ist dir geboten. Es gibt kein fehlendes Stück, das, wenn du es hättest, den Gehorsam leichter machen würde. Das Wort ist vollständig. Und du wirst danach gerichtet werden. Lasst uns darum die Schrift hochschätzen. Lasst uns täglich in ihr lesen, mit Gebet und Demut. Lasst uns sie als den ganzen Ratschluss Gottes aufnehmen — genügsam für alles, was wir brauchen. Und lasst uns niemals etwas hinzufügen — weder durch neue Offenbarungen, noch durch menschliche Überlieferungen, noch durch die Einfälle unseres eigenen Herzens — zu dem, was Gott in seiner Weisheit gesprochen hat.

Gebet

Herr, du höchster Gott, dessen Wort im Himmel fest steht und auf Erden währt: Wir preisen dich für die Heilige Schrift, die den ganzen Ratschluss Gottes enthält über alles, was zu deiner Ehre, zu unserer Seligkeit, zum Glauben und zum Leben notwendig ist. Wir danken dir, dass du uns nicht in der Finsternis tappen lässt, nicht abhängig von den wechselnden Meinungen der Menschen, sondern uns ein gewisses und genügsames Wort gegeben hast. Wir bekennen mit Scham, dass wir oft gelebt haben, als wäre dein Wort nicht genug. Wir haben Führung bei der Welt gesucht. Wir haben menschliche Überlieferungen deinen reinen Geboten hinzugefügt. Wir haben nach neuen Offenbarungen Ausschau gehalten, obwohl die alte, alte Geschichte von Jesus und seiner Liebe schon vollständig war. Vergib uns, wir bitten dich, jede Hinzufügung, die wir zu deinem Wort gemacht haben, und jede Wegnahme, die wir daran begangen haben. Schenke uns die innere Erleuchtung deines Heiligen Geistes, dass wir die Schrift mit Verständnis lesen und mit rettendem Glauben aufnehmen. Öffne uns die Augen, dass wir die Wunder an deinem Gesetz schauen. Mach das Wort kräftig in unseren Herzen, dass wir die Wahrheit nicht nur kennen, sondern durch sie in das Bild deines Sohnes verwandelt werden. Lehre uns, christliche Klugheit zu gebrauchen in der Ordnung der Umstände des Gottesdienstes und des Lebens, und unser Urteil immer den allgemeinen Regeln deines Wortes zu unterstellen. Gib deiner Kirche Weisheit, dass wir in allen Dingen nicht unsere Vorlieben suchen, sondern deine Ehre und die Erbauung deines Volkes. Bewahre uns davor, Gewissen zu binden, wo du sie freigelassen hast, und sie freizulassen, wo du sie durch dein Gebot gebunden hast. Und behüte uns, o Herr, vor jedem falschen Propheten, jeder vorgeblichen Offenbarung, jeder Überlieferung, die deinem Wort etwas hinzufügen will. Gib uns den Geist der Beröer, täglich in der Schrift zu forschen, jede Lehre zu prüfen und nur festzuhalten, was wahr ist. Lass keinen Menschen uns mit leeren Worten täuschen, denn dein Wort allein ist Wahrheit. Wenn unsere irdische Pilgerschaft einst vollendet ist und wir dich von Angesicht zu Angesicht sehen werden, werden wir die Schrift nicht mehr brauchen — denn der Glaube wird dem Schauen weichen und die Hoffnung dem Besitz. Aber bis zu jenem Tag lass dein Wort unseres Fusses Leuchte und ein Licht auf unserem Weg sein. Und lass uns allezeit darin rühmen: Die Bibel ist genug. Im Namen Jesu Christi, unseres Herrn, des fleischgewordenen Wortes, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert, ein Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
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