Andacht 3 von 171

Die Apokryphen: Warum sie keinen Platz in Gottes Wort haben

Kap.1: Von der Heiligen Schrift — Abschnitt 3 • 2026-05-09 • 35 Min.

Das Bekenntnis

Die Bücher, die man gemeinhin Apokryphen nennt, sind nicht von göttlicher Eingebung, darum gehören sie nicht zum Kanon der Schrift und haben keine Autorität in der Kirche Gottes, können auch nicht anders gebilligt oder gebraucht werden als andere menschliche Schriften.

Einleitung: Warum einige Bücher nicht zur Schrift gehören

In Abschnitt 1 sahen wir, dass die Schrift notwendig ist — das Licht der Natur kann nicht selig machen, darum hat Gott sich offenbart. In Abschnitt 2 sahen wir, welche Bücher diese Offenbarung umfasst — die sechsundsechzig inspirierten Bücher des Alten und Neuen Testaments. Aber das Bekenntnis begnügt sich nicht mit einer positiven Liste. Es zieht auch eine negative Grenze. Es gibt Bücher, die manche für Schrift halten, die das Bekenntnis aber ausdrücklich ausschliesst: die sogenannten Apokryphen. Warum ist das nötig? Weil die Frage nach dem Kanon keine akademische Randfrage ist. Wenn die Kirche der Bibel Bücher hinzufügen kann, dann steht die Kirche über der Bibel. Wenn die Kirche Bücher entfernen kann, dann ist die Kirche der Richter über die Schrift. Beide Irrtümer zerstören das Prinzip von sola Scriptura. Die Reformatoren haben diese Frage mit einer Klarheit beantwortet, die uns heute beschämen muss. Als Ulrich Zwingli am ersten Januar 1519 als Leutpriester ans Grossmünster nach Zürich kam, begann er etwas, das für die damalige Kirche unerhört war. Er legte die Bibel fortlaufend aus, Kapitel für Kapitel, Vers für Vers, und zwar das Matthäusevangelium, und zwar im griechischen Urtext. Nicht die Legenden der Heiligen, nicht die Dekrete der Konzilien, nicht die apokryphen Geschichten, sondern das Wort Gottes selbst sollte von der Kanzel ertönen. Zwingli wusste, dass die Herde Christi nur eine Stimme kennt, und diese Stimme spricht durch die inspirierten Schriften. Heinrich Bullinger, Zwinglis Nachfolger am Zürcher Grossmünster und Verfasser des Zweiten Helvetischen Bekenntnisses, schrieb in seinen Dekaden, dem Hausbuch der reformierten Pfarrhäuser, dass die Heilige Schrift die vollkommene Richtschnur des Glaubens und des Lebens sei. Die apokryphen Bücher, so Bullinger, mögen gelesen werden wie andere nützliche Bücher auch, aber man darf sie nicht der Heiligen Schrift gleichstellen, denn ihnen fehlt das entscheidende Merkmal: der göttliche Ursprung. Die Westminster-Versammlung nahm diese tiefe reformierte Überzeugung auf und formulierte sie mit der Präzision, die wir an ihr so schätzen. Der dritte Abschnitt des ersten Kapitels ist kurz, fast lapidar. Aber jeder Satz ist ein Bollwerk gegen einen alten und immer neu aufbrechenden Irrtum: dass Menschenworte neben Gottes Wort gestellt werden dürfen, als hätten sie gleiche Würde und gleiche Vollmacht. Was sind die Apokryphen überhaupt? Es handelt sich um eine Gruppe von Schriften, die in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, enthalten waren, aber nie zum hebräischen Kanon der jüdischen Gemeinde gehörten. Dazu zählen Bücher wie Jesus Sirach, die Weisheit Salomos, Tobit, Judit, das erste und zweite Makkabäerbuch sowie einige Zusätze zu Daniel und Ester. Hieronymus, der grosse Bibelübersetzer der Alten Kirche, nannte sie klar und deutlich nichtkanonische Bücher. Sie seien nützlich zur Erbauung des Volkes, aber nicht um kirchliche Lehren darauf zu gründen. Doch das Konzil von Trient, das grosse gegenreformatorische Konzil, erklärte im April 1546 die Apokryphen für kanonisch, mit einer Ausnahme. Wer sie nicht als Heilige Schrift annehme, sei mit dem Anathema belegt. Das war der direkte Angriff auf das Herzstück der Reformation, das Schriftprinzip. Denn wenn die Kirche den Umfang der Schrift festsetzen kann, dann steht die Kirche über der Schrift. Dann ist nicht mehr die Schrift Richterin über die Kirche, sondern die Kirche Richterin über die Schrift. Die Westminster-Väter, die sich gut hundert Jahre später versammelten, kannten diesen Streit genau. Sie wussten, dass die Apokryphen nicht einfach harmlose Zusatzliteratur sind. In diesen Büchern stehen Dinge, die der klaren Lehre der inspirierten Schrift widersprechen. Das zweite Makkabäerbuch empfiehlt das Gebet für die Toten und deutet die Möglichkeit eines Sühneopfers für Verstorbene an. Das Buch Tobit spricht von der Rechtfertigung durch Almosen. Das Buch Judit preist eine fromme Lüge. Wer solche Bücher zur Heiligen Schrift erklärt, öffnet die Tür für schwerwiegende Lehrirrtümer. Die Frage ist also nicht nebensächlich. Sie ist eine Frage von Leben und Tod. Denn was wir als Gottes Wort anerkennen, das bindet unser Gewissen. Was wir als Gottes Wort anerkennen, darauf dürfen, ja darauf müssen wir unsere ewige Hoffnung setzen. Wer hier etwas hinzufügt oder wegnimmt, der versündigt sich am heiligen Gott, der selbst die Grenzen seiner Offenbarung gezogen hat.

Die biblischen Grundlagen

Die Frage nach dem Kanon ist keine Frage, die wir mit menschlicher Klugheit oder kirchlicher Tradition entscheiden dürfen. Die Schrift selbst legt Zeugnis ab über ihren eigenen Umfang. Sie trägt ihre Beglaubigung in sich, wie Calvin so treffend sagt, und sie zieht selbst die Grenzen dessen, was Gottes Wort ist und was Menschenwort. Der Herr Jesus Christus selbst hat den Kanon des Alten Testaments bestätigt, und sein Zeugnis wiegt schwerer als alle Konzilien und alle Traditionen. Am Abend seiner Auferstehung erschien er den Jüngern und sprach zu ihnen: »Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz Moses und in den Propheten und in den Psalmen.« Der Evangelist Lukas überliefert uns diese Worte, und sie sind von unschätzbarer Bedeutung. Jesus bezieht sich hier auf die dreiteilige Gliederung des hebräischen Kanons: das Gesetz, die Propheten und die Schriften, wobei die Psalmen als das umfangreichste Buch den dritten Teil vertreten. Diese Dreiteilung war dem jüdischen Volk wohlbekannt. Sie war nicht das Ergebnis eines späteren Konzils, sondern das gewachsene Zeugnis der Gemeinde Gottes unter dem Alten Bund. Jesus zitiert nie ein apokryphes Buch als Schrift. Er sagt nie: "Es steht geschrieben" und führt dann ein Wort aus Tobit oder Sirach an. Sein Schweigen ist beredt. Es ist das Schweigen dessen, der selbst das fleischgewordene Wort ist und der genau weiss, was der Vater geredet hat und was nicht. Der Apostel Paulus greift diesen Gedanken auf, wenn er im Römerbrief fragt, was denn der Vorzug der Juden sei. Seine Antwort ist klar und gewichtig: »Ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat.« Das griechische Wort, das Paulus hier gebraucht, lautet logia, ein Wort, das die göttlichen Aussprüche bezeichnet, die Orakel Gottes. Es ist dasselbe Wort, das in der Apostelgeschichte für die Worte gebraucht wird, die Mose am Sinai empfing. Israel waren diese Worte anvertraut, und Israel wusste genau, welche Bücher zu diesen Worten gehörten und welche nicht. Die jüdische Gemeinde hat die Apokryphen nie als Teil dieser göttlichen Aussprüche anerkannt. Sie bewahrte sie in der griechischen Übersetzung, las sie auch zur Erbauung, aber sie legte sie nie dem Gottesdienst zugrunde und zählte sie nie zum Kanon. Der Apostel Paulus schreibt im zweiten Brief an Timotheus das grundlegende Wort über die Heilige Schrift: »Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.« Das Wort, das Luther mit »von Gott eingegeben« übersetzt, heisst im Griechischen theopneustos. Es bedeutet wörtlich »Gott-gehaucht«. Die Schrift ist nicht bloss göttlich inspiriert in dem Sinne, dass fromme Menschen unter göttlichem Einfluss geschrieben hätten. Sie ist von Gott selbst ausgehaucht. Der Atem Gottes, der Heilige Geist, ist der Urheber der Schrift. So wie der Mensch Worte spricht, indem er Atem ausstösst, so hat Gott sein Wort hervorgebracht durch den Hauch seines Mundes. Hier liegt der entscheidende Unterschied. Die apokryphen Bücher erheben diesen Anspruch gar nicht. Der Verfasser des ersten Makkabäerbuches schliesst sein Werk mit den Worten, es sei nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben, aber wenn es nicht gut gelungen sei, möge man es ihm nachsehen. Der Übersetzer von Jesus Sirach bittet im Prolog die Leser um Nachsicht für etwaige Mängel seiner Übertragung. Das sind fromme und ehrliche Worte eines Menschen. Aber es ist nicht der Anspruch, den die Propheten erheben, wenn sie sagen: "So spricht der Herr." Kein Prophet, kein Apostel hat sich je für die Unvollkommenheit seines Schreibens entschuldigt. Denn sie wussten, dass nicht sie selbst, sondern Gott durch sie redete. Die Schrift selbst warnt an ihrem Anfang und an ihrem Ende davor, Gottes Wort etwas hinzuzufügen oder etwas davon wegzunehmen. Im fünften Buch Mose gebietet der Herr: »Ihr sollt nichts dazutun zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, damit ihr haltet die Gebote des Herrn, eures Gottes, die ich euch gebiete.« Mose stellt dieses Gebot nicht als menschliche Vorsichtsmassnahme auf, sondern als göttliche Anordnung. Das Wort Gottes ist kein Entwurf, der noch der Ergänzung bedarf. Es ist kein wachsender Korpus, der mit der Zeit neue Bücher aufnehmen könnte. Es ist ein abgeschlossenes Depositum, eine vollendete Offenbarung. Am Ende der Bibel, im letzten Kapitel der Offenbarung, steht das entsprechende Siegel: »Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas dazusetzt, so wird Gott zu ihm hinzufügen die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht.« Diese Worte des Johannes gelten zwar im unmittelbaren Sinne dem Buch der Offenbarung. Aber die Stellung dieser Warnung am Ende der gesamten Bibel ist kein Zufall. Gott hat in seiner Vorsehung das letzte Buch der Bibel mit einem Siegel versehen, das den ganzen Kanon abschliesst. So wie Mose am Anfang warnt, etwas hinzuzufügen, so warnt Johannes am Ende, etwas hinzuzufügen. Der Kanon ist an beiden Enden versiegelt. Wer die Apokryphen hinzufügt, missachtet diese göttliche Warnung. Der Apostel Petrus spricht in seinem zweiten Brief von der völligen Zuverlässigkeit des prophetischen Wortes: »Und wir haben das prophetische Wort umso fester, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Auftrag Gottes geredet.« Petrus unterscheidet hier klar zwischen menschlichem Willen und göttlichem Antrieb. Die Propheten redeten nicht aus eigenem Entschluss. Sie wurden vom Heiligen Geist getrieben, förmlich getragen wie ein Schiff vom Wind. Das griechische Wort pheromenoi drückt dieses Getragensein aus. Die apokryphen Verfasser hingegen schrieben aus eigenem Antrieb. Sie mögen fromme Motive gehabt haben. Sie mögen zur Erbauung ihrer Leser geschrieben haben. Aber sie wurden nicht vom Heiligen Geist getrieben, und darum sind ihre Worte nicht Gottes Worte. So fügt sich das biblische Zeugnis zu einem einheitlichen Bild. Christus bestätigt den jüdischen Kanon. Paulus lehrt, dass Israel die Orakel Gottes anvertraut waren und dass alle Schrift gottgehaucht ist. Mose und Johannes warnen vor jedem Zusatz. Petrus unterscheidet zwischen göttlichem Antrieb und menschlichem Willen. Die Apokryphen scheitern an jedem dieser biblischen Kriterien. Sie gehörten nicht zum hebräischen Kanon, den Jesus bestätigte. Sie erheben nicht den Anspruch, gottgehaucht zu sein. Sie wurden nach dem Ende der Prophetie geschrieben. Und sie enthalten Lehren, die der inspirierten Schrift widersprechen.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Westminster-Versammlung trat im Juli 1643 in der Kapelle Heinrichs des Siebten in der Westminster Abbey zusammen. Der englische Bürgerkrieg tobte, und das Parlament hatte die Versammlung einberufen, um die Kirche von England in Lehre, Gottesdienst und Kirchenordnung zu reformieren. Unter den einberufenen Theologen befanden sich die fähigsten Köpfe des puritanischen Englands und Schottlands. Sie waren tief verwurzelt in der reformierten Theologie des Kontinents, hatten Calvin und Bullinger studiert und teilten die reformatorische Überzeugung von der alleinigen Autorität der Schrift. Als die Versammlung den ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses formulierte, stand sie vor einer doppelten Herausforderung. Auf der einen Seite hatte das Konzil von Trient die Apokryphen für kanonisch erklärt und damit die Grenzen der Schrift verschoben. Auf der anderen Seite gab es in England Enthusiasten und Schwärmer, die neue Offenbarungen beanspruchten und damit die Genugsamkeit der Schrift untergruben. Gegen beide Fronten musste der Kanon klar umgrenzt und verteidigt werden. Robert Shaw, der schottische Theologe, der einen der massgeblichen Kommentare zum Westminster Bekenntnis verfasste, entfaltet die vier Argumente, mit denen die Versammlung die Apokryphen zurückwies. Erstens: Die jüdische Gemeinde, der die Orakel Gottes anvertraut waren, hat diese Bücher nie als göttlich anerkannt. Das jüdische Zeugnis wiegt schwer, denn Israel war der Hüter der alttestamentlichen Offenbarung. Zweitens: Die apokryphen Bücher wurden nicht in hebräischer Sprache geschrieben, sondern in griechischer, und ihre Verfasser lebten in einer Zeit, in der nach allgemeinem jüdischen Zeugnis der Geist der Weissagung erloschen war. Maleachi war der letzte Prophet gewesen. Nach ihm gab es vierhundert Jahre des Schweigens, bis Johannes der Täufer auftrat. In diese Zwischenzeit fallen die Apokryphen. Drittens, und das ist das gewichtigste Argument: Weder Christus noch seine Apostel zitieren jemals ein apokryphes Buch als Schrift. Hätten sie es getan, so wäre die Sache entschieden. Aber der Herr und seine Apostel zitieren wohl aus dem Gesetz, den Propheten und den Psalmen, nie aber aus den Apokryphen. Es gibt Anspielungen, ja, besonders der Hebräerbrief scheint Berührungspunkte mit der Weisheitsliteratur zu haben. Aber eine Anspielung ist kein Zitat, und eine literarische Parallele ist kein Schriftbeweis. Viertens, so Shaw, enthalten die Apokryphen selbst Irrtümer. Das zweite Makkabäerbuch behauptet, Jeremia habe die Stiftshütte und die Bundeslade in einer Höhle versteckt, und der Ort solle unbekannt bleiben, bis Gott sein Volk wieder sammle. Das Buch Judit stellt Nebukadnezar fälschlicherweise als König der Assyrer statt der Babylonier dar. Das Buch Tobit schreibt dem Erzengel Raphael eine irreführende Aussage zu. Die inspirierten Schriften hingegen sind irrtumslos in allem, was sie lehren. Der amerikanische Theologe Archibald Alexander Hodge, dessen Kommentar zu den ersten Kapiteln des Westminster Bekenntnisses zu den gründlichsten Darlegungen der reformierten Schriftlehre gehört, betont, dass der Kanon nicht durch die Kirche geschaffen, sondern von ihr erkannt wird. Die Kirche ist nicht die Mutter der Schrift, die ihr Autorität verleiht. Sie ist die Tochter der Schrift, die unter ihrer Autorität lebt. Die Kirche bestimmt nicht, was Gottes Wort ist. Sie empfängt es aus der Hand ihres Herrn und beugt sich darunter. Dieser Gedanke war den Reformatoren teuer. Calvin schrieb in der Institutio: "Die Schrift trägt ihre eigene Beglaubigung in sich." Sie bedarf keiner kirchlichen Bestätigung, um Autorität zu haben. Sie hat Autorität, weil sie Gottes eigenes Wort ist, und die Kinder Gottes erkennen die Stimme ihres Vaters. Ein Schaf, so sagte Calvin, erkennt die Stimme des Hirten, auch wenn ihm kein Mensch sagt, wer da spricht. So erkennt die Kirche die Schrift, nicht weil ein Konzil es beschliesst, sondern weil der Heilige Geist in den Herzen der Gläubigen das Zeugnis der Schrift bestätigt. Die Westminster-Väter standen in dieser reformierten Tradition. Sie wussten, dass die römische Kirche die Apokryphen nicht aus historischen oder exegetischen Gründen kanonisierte, sondern weil diese Bücher Belegstellen für Lehren boten, die in der inspirierten Schrift keine Grundlage haben. Das Gebet für die Toten, die Rechtfertigung durch Werke, die Anrufung von Engeln, die Fegefeuerlehre, all das findet sich nicht in den kanonischen Büchern. Aber es findet sich, oder es scheint sich zu finden, in den Apokryphen. Indem Rom diese Bücher für kanonisch erklärte, schuf es eine scheinbare biblische Grundlage für unbiblische Lehren. Benjamin Breckinridge Warfield, der grosse Princeton-Theologe des neunzehnten Jahrhunderts, hat das Verhältnis von Kanon und Kirche in unübertroffener Klarheit dargelegt. Die Kirche, so Warfield, habe den Kanon nicht gemacht. Sie habe ihn auch nicht entdeckt wie einen vergrabenen Schatz. Sie habe ihn empfangen. Die apostolische Kirche empfing das Alte Testament von Israel und wusste, dass die apostolische Verkündigung und die apostolischen Schriften dieselbe göttliche Autorität trugen. Der neutestamentliche Kanon entstand nicht durch einen Beschluss. Er entstand dadurch, dass die Gemeinden die apostolischen Schriften sammelten und bewahrten, weil sie wussten, dass die Apostel im Auftrag Christi redeten. Als die Kirche später den Kanon förmlich feststellte, tat sie nichts anderes, als das anzuerkennen, was längst galt.

Theologische Tiefe

Die Lehre vom Kanon ist nicht ein blosses Anhängsel der Schriftlehre. Sie ist ihr Herzstück. Bevor wir fragen können, was die Schrift lehrt, müssen wir wissen, welches Buch die Schrift ist. Die reformierte Theologie hat diese Frage von Anfang an mit grossem Ernst behandelt, und jeder unserer Väter hat seinen Beitrag zu dieser fundamentalen Lehre geleistet. Johannes Calvin, dessen Genf ja in Sichtweite unserer Alpen liegt, hat in der Institutio ein ganzes Kapitel dem Zeugnis des Heiligen Geistes und der Autorität der Schrift gewidmet. Sein Anliegen ist es, den Kanon von jeder menschlichen Instanz unabhängig zu machen. "Nichts kann widersinniger sein", schreibt Calvin, "als die Fiktion, dass die Macht, über die Schrift zu urteilen, bei der Kirche liege." Würde die Kirche über die Schrift urteilen, so hinge die Wahrheit Gottes vom Urteil von Sündern ab. Die ewige, unerschütterliche Wahrheit stünde auf dem schwankenden Boden menschlicher Beschlüsse. Stattdessen lehrt Calvin, dass die Schrift ihre Autorität unmittelbar von Gott hat und dass der Heilige Geist die Herzen der Erwählten überführt, dass dieses Buch und kein anderes Gottes Wort ist. Es ist das innere Zeugnis des Heiligen Geistes, das testimonium internum Spiritus Sancti, das den Gläubigen die Gewissheit schenkt, die Schrift sei Gottes eigenes Reden. Calvin vergleicht das Wirken des Geistes mit dem Öffnen der Augen eines Blinden. Der Blinde sieht die Sonne nicht, solange seine Augen geschlossen sind, so klar sie auch scheinen mag. Aber wenn der Arzt die Augen öffnet, dann sieht er das Licht, das immer schon da war. So ist es mit der Schrift. Sie leuchtet von sich aus. Aber wir sehen ihr Licht erst, wenn der Heilige Geist uns die Augen öffnet. Heinrich Bullinger, unser Zürcher Reformator, hat die Lehre von der Schrift in den Mittelpunkt seiner Theologie gestellt. Seine Dekaden, fünfzig Predigten über die Hauptstücke des christlichen Glaubens, beginnen mit dem Wort Gottes. Bullinger lehrt, dass das Wort Gottes die vollkommene und allgenugsame Richtschnur des Glaubens und des Lebens sei. Es bedürfe keiner Ergänzung durch Traditionen, Konzilsbeschlüsse oder apokryphe Schriften. Die Apokryphen, so Bullinger, seien zwar lesenswert, aber man müsse genau wissen, was sie seien und was nicht. Sie seien Menschenworte, und Menschenworte können irren. Bullinger bringt einen Vergleich, der dem Schweizer Herzen nahegeht. Wie das klare Wasser einer Bergquelle sich von dem getrübten Wasser eines Talbachs unterscheidet, so unterscheidet sich die Heilige Schrift von allen menschlichen Schriften. Die Quelle ist rein, weil sie unmittelbar aus dem Felsen sprudelt. So ist die Schrift rein, weil sie unmittelbar aus dem Mund Gottes kommt. Menschliche Schriften, und seien es die besten und frömmsten, sind wie Wasser, das schon durch viele Hände geflossen ist. Es mag noch trinkbar sein, aber die ursprüngliche Frische und Reinheit hat es verloren. Ulrich Zwingli, der erste Zürcher Reformator, stellte die Schrift ins Zentrum des Gemeindelebens. In den Zürcher Disputationen von 1523 verteidigte er den Grundsatz, dass allein die Heilige Schrift Richterin in Glaubensfragen sei. Nicht der Papst, nicht das Konzil, nicht die Tradition, sondern allein das geschriebene Wort Gottes. Zwingli war ein begnadeter Prediger, der das ganze Matthäusevangelium, dann die Apostelgeschichte, dann die Briefe des Paulus fortlaufend auslegte. Er predigte nicht über die Apokryphen. Er predigte das inspirierte Wort. Zwinglis Verhältnis zur Schrift war nicht das eines Gelehrten zu seinem Studienobjekt. Es war das eines Dürstenden zur Quelle. Er trank aus der Schrift, und er wusste, dass nur hier das lebendige Wasser zu finden ist. In seiner Schrift über die Klarheit und Gewissheit des Wortes Gottes schreibt Zwingli, dass die Schrift sich selbst auslege, dass sie ihr eigenes Licht sei und dass der Heilige Geist der wahre Ausleger der Schrift sei. Das sind Gedanken, die Calvin später in der Institutio weiter entfalten sollte und die im Westminster Bekenntnis ihren klassischen Ausdruck fanden. Theodor Beza, Calvins Nachfolger in Genf, hat sich besonders um den Text des Neuen Testaments verdient gemacht. Seine Ausgaben des griechischen Neuen Testaments waren die massgeblichen Textausgaben des reformierten Protestantismus. Beza wusste, dass die genaue Bestimmung des Textes für die Frage des Kanons entscheidend ist. Nur was tatsächlich von den Aposteln geschrieben wurde, hat apostolische Autorität. Bezas sorgfältige Arbeit am Text war ein Dienst an der Kirche, damit die Herde Christi die Stimme des Hirten klar und unverfälscht hören kann. Pierre Viret, der Reformator der Waadt, der oft im Schatten Calvins und Farels steht, hat in seinen volkstümlichen Dialogen die Schriftlehre dem einfachen Volk nahegebracht. Viret hatte eine besondere Gabe, tiefe theologische Wahrheiten so auszudrücken, dass der Bauer auf dem Feld und die Magd in der Küche sie verstehen konnten. Er verglich den Kanon mit einem Massstab, mit dem alle Lehre gemessen werden müsse. Wer die Apokryphen zum Massstab hinzufüge, verfälsche das Mass. Ein Zimmermann, der mit einem falschen Zollstock arbeite, baue krumme Wände. So baue die Kirche krumme Lehren, wenn sie die Apokryphen zur Richtschnur mache. Thomas Watson, der englische Puritaner, dessen Schriften noch heute viele Christen erbauen, hat in seinem Werk über das Westminster Bekenntnis die Frage der Apokryphen auf den Punkt gebracht. Er nennt die römische Kirche schuldig, die Schrift mit menschlichen Traditionen zu erweitern. Die Apokryphen, so Watson, seien wie trübe Quellen, die den kristallenen Brunnen der Schrift verschmutzen. Der wahre Christ müsse ein Schrift-Christ sein, ein Bibel-Christ, dessen Glaube und Leben allein auf dem geschriebenen Wort Gottes gründe. Watson weist darauf hin, dass die Apokryphen neben den dogmatischen Irrtümern noch eine andere Gefahr bergen: Sie stumpfen das geistliche Unterscheidungsvermögen ab. Wer sich daran gewöhnt, Menschenworte mit derselben Ehrfurcht zu lesen wie Gottesworte, verliert das feine Empfinden für den Unterschied. Es ist, wie wenn jemand Weihrauch mit gewöhnlichem Rauch vermischt. Bald riecht er den Unterschied nicht mehr und hält den gemeinen Rauch für das Heilige. Archibald Alexander Hodge fasst die reformierte Position in einer klassischen Formulierung zusammen: Der Kanon ist eine vollendete Tatsache, eine geschichtliche Gegebenheit, die die Kirche empfängt, nicht eine Autorität, die sie vergibt. Die Kirche hat nicht die Befugnis, dem geschriebenen Wort neue Bücher hinzuzufügen. Die apostolische Zeit ist abgeschlossen. Mit dem Tod des letzten Apostels ist die grundlegende Offenbarung zum Abschluss gekommen. Der Heilige Geist wirkt weiterhin in der Kirche, aber er inspiriert keine neuen Schriften. Er erleuchtet die Gläubigen, die bereits gegebene Schrift zu verstehen. Benjamin Breckinridge Warfield hat das auf seine unnachahmliche Weise präzisiert. Der Kanon, so Warfield, sei nicht etwas, das die Kirche durch Konzilsbeschluss festgesetzt habe. Die Kirche habe die kanonischen Schriften nicht aus einer grösseren Menge von Schriften ausgewählt, wie ein Gärtner die schönsten Blumen aus einem Beet pflückt. Der Kanon sei von Anfang an dagewesen. Die apostolischen Schriften seien von dem Augenblick an kanonisch gewesen, als sie geschrieben wurden, denn sie stammten von den bevollmächtigten Zeugen Christi. Die spätere Kirche habe den Kanon lediglich anerkannt, nicht geschaffen. Warfield weist darauf hin, dass die apokryphen Bücher nie den Anspruch erhoben haben, prophetisch zu sein. Die Verfasser schrieben in dem Bewusstsein, dass die Zeit der Prophetie vorbei war. Im ersten Makkabäerbuch heisst es ausdrücklich, die Not der Zeit sei so gross, "wie sie nicht gewesen ist seit der Zeit, dass keine Propheten mehr bei ihnen waren". Der Verfasser selbst datiert sein Werk also in die nachprophetische Zeit. Ein Buch, dessen Verfasser selbst sagt, er sei kein Prophet und schreibe in einer Zeit ohne Prophetie, kann unmöglich zur inspirierten Schrift gehören. Die theologische Tiefe dieser Lehre liegt nicht nur in der Abgrenzung gegen Rom. Sie liegt vor allem in der positiven Würdigung dessen, was der Kanon ist: die vollkommene, genugsame, klare Offenbarung des lebendigen Gottes. Der Kanon ist das Fenster, durch das wir Gott erkennen. Er ist der Weg, auf dem Gott zu uns kommt und wir zu Gott kommen. Er ist das Licht, das in der Finsternis leuchtet. Wer an diesem Licht etwas verändert, wer es trübt oder künstlich erweitert, versündigt sich nicht nur an der Kirche, sondern an Gott selbst.

Anwendung für das reformierte Leben

Liebe Gemeinde, die Lehre von den Apokryphen ist nicht nur ein Kapitel in den Dogmatikbüchern. Sie hat unmittelbare, praktische Konsequenzen für unser tägliches Leben als Christen. Lasst mich euch einige Fragen ans Herz legen, Fragen, die jeder von uns vor dem Angesicht Gottes bedenken sollte. Die erste Frage lautet: Erkennst du den Unterschied zwischen Gottes Wort und Menschenwort? Wir leben in einer Zeit, in der unzählige christliche Bücher, Podcasts, Blogs und Vorträge angeboten werden. Vieles davon ist hilfreich und erbaulich. Aber nichts davon ist Gottes Wort. Thomas Watson mahnt uns: Wenn wir menschliche Schriften mit derselben Ehrfurcht lesen wie die Schrift, verlieren wir das geistliche Unterscheidungsvermögen. Wie viele von uns kennen die Worte ihres Lieblingspredigers besser als die Worte des Propheten Jesaja? Wie viele zitieren lieber einen frommen Spruch aus einem Andachtsbuch als ein Wort aus den Psalmen? Prüfe dein Herz: Was hat wirklich Autorität über dein Gewissen, das Wort Gottes oder die Meinungen frommer Menschen? Die zweite Frage: Bist du zufrieden mit einem geschlossenen Kanon? Es gibt Kirchen und Bewegungen, die neue Offenbarungen beanspruchen, neue Propheten, neue Botschaften von Gott. Die reformierte Kirche hat immer bekannt, dass der Kanon geschlossen ist. Gott hat geredet, und er hat genug geredet. Die Schrift enthält alles, was wir zu unserer Seligkeit wissen und glauben müssen. Der Heilige Geist wirkt nicht, um neue Wahrheiten zu offenbaren, sondern um die alten Wahrheiten in unseren Herzen lebendig zu machen. William Perkins, der grosse puritanische Lehrer, sagte: "Das Wort Gottes ist die einzige Regel des Glaubens und des Lebens. Wir dürfen ihm nichts hinzufügen noch etwas davon wegnehmen." Fragst du dich manchmal, ob Gott nicht noch etwas sagen müsste, was nicht schon in der Schrift steht? Suchst du nach besonderen Offenbarungen, Eingebungen, Träumen, Zeichen? Dann lerne, mit dem geschriebenen Wort zufrieden zu sein. Es ist genug. Die dritte Frage: Prüfst du alle Lehre an der Schrift? Die Beröer wurden im Neuen Testament gelobt, weil sie täglich in der Schrift forschten, ob sich das, was Paulus predigte, auch so verhielt. Wenn die Beröer die Predigt des Apostels Paulus an der Schrift prüften, wie viel mehr müssen wir die Lehren unserer Zeit prüfen! Robert Shaw schreibt: "Göttliche Einsetzung muss unsere Regel der Anbetung sein; und was auch immer für nützlich und anständig gehalten werden mag, muss nach dieser Regel geprüft werden." Das gilt für die grossen Fragen der Theologie, aber auch für die kleinen Alltagsentscheidungen. Wenn dir jemand einen Rat gibt und sagt: "Der Herr hat mir gezeigt", dann prüfe diesen Rat an der Schrift. Wenn eine Predigt dich bewegt, aber du kannst das Gesagte nicht in der Bibel finden, dann sei vorsichtig. Die Schrift ist der Massstab, der unverrückbare, an dem alles gemessen werden muss. Die vierte Frage: Liest du die ganze Schrift, oder hast du dir einen privaten Kanon gemacht? Es gibt Christen, die lesen immer nur die Evangelien, aber nie die Propheten. Andere lieben die Psalmen, aber die Briefe des Paulus sind ihnen zu schwer. Wieder andere lesen nur das Neue Testament und vernachlässigen das Alte. Das ist ein selbstgemachter Kanon. Aber die ganze Schrift ist gottgehaucht, nicht nur die Teile, die uns zusagen. Die Apokryphen verwerfen wir, weil sie nicht Gottes Wort sind. Aber die Bücher, die Gottes Wort sind, haben wir kein Recht, nach unserem Geschmack zu sortieren. Der Hebräerbrief sagt, das Wort Gottes sei lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Ein Chirurg benutzt nicht nur die Instrumente, die ihm gefallen. Er benutzt jedes Instrument, das für die Heilung nötig ist. So brauchen wir die ganze Schrift, um als ganze Menschen zu reifen. Die fünfte Frage: Hast du Ehrfurcht vor der Heiligen Schrift? Gott hat geredet. Der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Richter der Lebenden und der Toten, der Herr, vor dem die Serafim ihre Angesichter verhüllen, dieser Gott hat zu uns geredet. Zwingli zitterte vor dem Wort Gottes. Er wusste, dass es nicht das Wort eines Menschen ist, sondern das Wort dessen, der mit einem Hauch seines Mundes Welten erschafft und mit einem Wort seines Zornes Welten zerstört. Wenn du die Bibel aufschlägst, tust du es mit diesem Bewusstsein? Oder liest du sie wie die Zeitung am Morgen, flüchtig, gedankenlos, ohne Gebet? Der Heidelberger Katechismus lehrt uns, dass wir die Predigt des Wortes Gottes nicht verachten sollen, sondern sie für das halten, was sie ist: die Stimme des lebendigen Gottes. Dasselbe gilt für die Schrift. Wir sollen sie nicht als gewöhnliches Buch behandeln. Sie ist das heilige Buch, geheiligt durch den Heiligen, der es gehaucht hat. Die sechste Frage: Vertraust du der Schrift auch da, wo sie dir schwerfällt? Ein Kanon, den wir selber zusammengestellt hätten, würde uns nie widersprechen. Wir würden nur das aufnehmen, was uns bestätigt, was uns gefällt, was in unser Weltbild passt. Aber Gott hat uns einen Kanon gegeben, den wir nicht gewählt haben. Er enthält Dinge, die uns schwer zu verstehen sind. Er enthält Dinge, die uns widersprechen, die uns auf die Knie zwingen, die unseren Stolz brechen. Gerade darin erweist er sich als Gottes Wort. Ein Menschenwort schmeichelt dir. Ein Gotteswort rettet dich. Und Rettung beginnt mit dem Eingeständnis, dass wir verloren sind. Die Apokryphen enthalten kein Wort, das uns so tief demütigt wie die Botschaft der Propheten. Sie enthalten keine Gerechtigkeit, die so fremd und so vollkommen ist wie die Gerechtigkeit Christi, von der Paulus spricht. Die Schrift ist nicht deshalb Gottes Wort, weil sie uns passt, sondern weil Gott durch sie zu uns spricht. Lerne, dich unter sie zu beugen, gerade da, wo sie dir unbequem wird. Diese Fragen sind nicht akademisch. Sie entscheiden über Leben und Tod. Wer Gottes Wort mit Menschenwort vermischt, verliert beides. Er verliert das reine Evangelium, und er verliert die Gewissheit, dass Gott wirklich geredet hat. Halte dich an die Schrift, die ganze Schrift und nichts als die Schrift. In ihr hast du, was kein apokryphes Buch und keine menschliche Weisheit dir geben kann: das lebendige, bleibende, rettende Wort des lebendigen Gottes.

Gebet

Herr, unser Gott und Vater, der Du zu uns geredet hast durch die Propheten und zuletzt durch Deinen Sohn, wir danken Dir für Dein geschriebenes Wort. Wir preisen Dich, dass Du uns nicht im Dunkeln gelassen hast, sondern uns Dein Licht gegeben hast in der Heiligen Schrift. Du hast uns einen festen Grund gegeben, auf dem wir stehen können, einen sicheren Weg, auf dem wir gehen können, und ein klares Licht, das uns den Pfad zeigt. Herr, wir bekennen Dir, dass wir Dein Wort oft vernachlässigt haben. Wir haben es geringgeschätzt, während wir Menschenworten nachliefen. Wir haben unsere eigenen Gedanken und Meinungen über Dein Wort gestellt und damit die Ordnung umgekehrt, die Du gesetzt hast. Vergib uns unsere Lauheit und schenke uns neu die Liebe zu Deinem Wort, die das Herz Deiner Knechte und Mägde zu allen Zeiten erfüllt hat. Lass uns wieder hungern und dürsten nach der Speise, die Dein Wort uns gibt. Öffne unsere Augen, dass wir sehen die Wunder an Deinem Gesetz, wie der Psalmist betet. Gib uns Demut, uns unter Dein Wort zu beugen, auch wo es uns hart ankommt und unseren Stolz bricht. Lass uns die ganze Schrift lesen, lieben und bewahren, das Alte und das Neue Testament, das Gesetz und die Propheten und das Evangelium. Bewahre Deine Kirche vor der Versuchung, Menschenworte neben Dein Wort zu stellen. Schenke ihr Treue zu Deiner Offenbarung und Unterscheidungsvermögen, dass sie Deine Stimme von allen fremden Stimmen unterscheiden kann. Beschütze uns vor falschen Propheten und falschen Offenbarungen, die Dein Wort ergänzen oder ersetzen wollen. Herr Jesus Christus, Du selbst bist das Wort, das Fleisch geworden ist. Du hast die Worte des ewigen Lebens. Lass Dein geschriebenes Wort uns stets zu Dir führen, dem lebendigen Wort. Lass uns Dich in der Schrift finden, Dich in der Schrift lieben und Dir in der Schrift gehorchen. Heiliger Geist, Du hast die Schrift eingegeben und Du allein kannst sie uns aufschliessen. Wirke in uns das innere Zeugnis, das uns der Wahrheit der Schrift gewiss macht. Erleuchte unseren Verstand, erwärme unser Herz, stärke unseren Willen, dass wir das Wort nicht allein hören, sondern tun. Dir, dem dreieinigen Gott, sei Ehre und Lobpreis in der Kirche und in Christus Jesus, jetzt und in Ewigkeit. Amen.
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