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Die Notwendigkeit der Heiligen Schrift: Das Licht der Natur und das Wort der Gnade

Kap.1: Von der Heiligen Schrift — Abschnitt 1 • 2026-05-07 • 35 Min.

Das Bekenntnis

Da das Licht der Natur und die Werke der Schöpfung und Vorsehung die Güte, Weisheit und Macht Gottes so offenbaren, dass die Menschen unentschuldbar sind, so sind sie doch nicht hinreichend, um jene Erkenntnis Gottes und seines Willens zu geben, die zur Seligkeit notwendig ist. Darum gefiel es dem Herrn, zu verschiedenen Zeiten und auf verschiedene Weise sich selbst zu offenbaren und seinen Willen seiner Kirche kundzutun; und hernach, zur besseren Bewahrung und Ausbreitung der Wahrheit und zur festeren Gründung und Tröstung der Kirche wider die Verderbnis des Fleisches und die Bosheit Satans und der Welt, denselben ganz und gar schriftlich zu verfassen: was die Heilige Schrift höchst notwendig macht, da jene früheren Wege der Offenbarung seines Willens an sein Volk nun aufgehört haben.

Einleitung: Die Frage nach dem Fundament

Die Westminster-Väter, die im Winter 1642 in der Londoner Abtei zusammenkamen, standen vor einer gewaltigen Aufgabe. Der Bürgerkrieg tobte. Das Parlament und der König kämpften um die Herrschaft. Die Kirche war zerrissen. Und inmitten dieses Sturms sollten die versammelten Theologen ein Bekenntnis schreiben, das die Lehre der Kirche für kommende Generationen festhalten würde. Sie begannen nicht mit der Lehre von Gott. Sie begannen nicht mit der Lehre vom Menschen. Sie begannen mit der Frage: Woher wissen wir überhaupt etwas von Gott? Woher haben wir Gewissheit? Worauf können wir uns verlassen, wenn es um unser ewiges Heil geht? Das ist kein akademisches Vorspiel. Es ist die entscheidende Frage. Denn jede Theologie, jede Predigt, jedes Gebet, jede Hoffnung auf das ewige Leben steht und fällt mit der Frage nach dem Fundament. Wenn unsere Quelle trübe ist, ist alles trübe, was aus ihr fliesst. Wenn unser Fundament rissig ist, wird das ganze Gebäude einstürzen. In der Schweiz kennen wir diese Frage gut. Die Reformation begann genau hier. Als Zwingli am Neujahrstag 1519 auf die Kanzel des Grossmünsters in Zürich stieg und begann, das Matthäusevangelium fortlaufend auszulegen, da stellte er die Schrift über alle menschliche Tradition. Als Calvin in Genf lehrte und schrieb, tat er es mit derselben Überzeugung: Die Bibel allein ist die Quelle der Gotteserkenntnis. Bullinger, Zwinglis treuer Nachfolger, legte im Zweiten Helvetischen Bekenntnis von 1566 dasselbe Fundament: die kanonischen Schriften der Propheten und Apostel sind das wahre Wort Gottes, und dieses Wort hat seine Autorität aus sich selbst und nicht aus Menschen. Die Westminster-Väter schöpften aus diesem reformierten Erbe. Ihr erstes Kapitel über die Heilige Schrift ist kein englischer Sonderweg. Es ist das gemeinsame Bekenntnis der reformierten Kirchen von Zürich bis Edinburgh, von Genf bis Boston. Es ist unser Bekenntnis. Und doch müssen wir diese Lehre immer neu hören. Denn die Versuchung, unser Vertrauen auf etwas anderes zu setzen als auf das geschriebene Wort Gottes, ist so alt wie die Sünde selbst und so gegenwärtig wie die Luft, die wir atmen. Wir wollen klüger sein als unsere Väter. Wir wollen neue Quellen der Erkenntnis auftun. Wir wollen das Wort Gottes ergänzen, korrigieren, überbieten. Und so stehen wir am selben Scheideweg wie jene Männer in der Londoner Abtei.

Die biblischen Grundlagen

Die Lehre, die das Bekenntnis im ersten Abschnitt entfaltet, ist keine menschliche Erfindung. Sie ist aus der Schrift selbst geschöpft. Die Väter haben ihre Worte sorgfältig auf die Aussagen der Bibel gebaut, und es lohnt sich, diesen biblischen Grund genauer anzuschauen. Wir gehen die Zeugnisse der Schrift der Reihe nach durch, so wie die Väter sie vor Augen hatten. Der Apostel Paulus eröffnet den Römerbrief mit einer Aussage, die den ersten Satz des Bekenntnisses trägt. Er schreibt: »Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbar gemacht. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt an den Werken ersehen und wahrgenommen, so dass sie keine Entschuldigung haben.« Hier steht jedes Wort mit göttlichem Gewicht. Paulus sagt nicht, dass die Schöpfung Gott andeutet oder dass besonders kluge Menschen ihn vielleicht finden könnten. Er sagt: Gott selbst hat sich geoffenbart. Deutlich. Allen. So dass niemand eine Ausrede hat. Das griechische Wort, das Paulus verwendet, ist phaneron. Es bedeutet offensichtlich, klar erkennbar, manifest. Was Gott von sich gezeigt hat, liegt nicht im Verborgenen. Es ist nicht nur für Philosophen zugänglich. Es ist offen vor aller Augen. Der Sternenhimmel über den Alpen, die Ordnung der Jahreszeiten, die Weisheit, die in der kleinsten Enzianblüte steckt – all das ist phaneron, offensichtlich. Gott hat sich nicht versteckt. Calvin nennt die Schöpfung darum ein prächtiges Theater der Herrlichkeit Gottes, gefüllt mit unzähligen Beweisen göttlicher Weisheit. Thomas Watson, der Londoner Puritaner, drückt es noch bildhafter aus: Die Schöpfung ist die Bibel der Heiden, des Pflügers Fibel, ein grosses Buch mit drei Seiten – Himmel, Erde und Meer. Doch dann kommt die Spannung, und sie durchzieht das ganze Bekenntnis. Diese allgemeine Offenbarung reicht nicht. Paulus fährt fort im ersten Korintherbrief: »Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.« Das ist das vernichtende Urteil der Schrift über alle menschliche Weisheit. Die Philosophie der Griechen, das Gesetz der Römer, die Spekulationen aller Völker – sie alle haben den lebendigen Gott nicht gefunden. Sie haben vielleicht einen Baumeister der Welt vermutet, ein göttliches Prinzip geahnt, einen unbewegten Beweger ersonnen. Aber dass dieser Gott heilig ist und Sünde richtet, dass er in Christus Fleisch wurde und am Kreuz starb und am dritten Tag auferstand – das hat keine menschliche Weisheit je ersonnen. Es musste offenbart werden. Von oben. Von Gott selbst. Der Hebräerbrief fasst diese Gnade der Offenbarung in majestätische Worte: »Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn.« Hier sehen wir die Methode Gottes. Er redete vielfach, das heisst in vielen Teilen, in vielen Stücken, über viele Jahrhunderte hinweg. Die Offenbarung war fortschreitend. Sie entfaltete sich von Mose durch David und die Propheten bis hin zu Christus. Jedes Stadium war wahr, aber keines war vollständig – bis Christus kam. Und er redete auf vielerlei Weise: durch Geschichte, durch Gesetz, durch Poesie, durch Prophetie, durch Gleichnisse, durch Visionen. Jede Weise offenbarte einen anderen Aspekt seines Wesens. Aber der Höhepunkt aller Offenbarung ist der Sohn selbst. Das griechische Wort für die letzten Tage ist eschatos – am Ende, am Ziel. Mit Christus ist die endgültige, die abschliessende Offenbarung gekommen. Danach kommt keine weitere. Was danach kommt, ist die Auslegung und Anwendung dieser einen, vollkommenen Offenbarung. Doch selbst diese Offenbarung in Christus wäre uns verloren, wenn sie nicht aufgeschrieben worden wäre. Die Apostel und Propheten haben Gottes Reden nicht nur gehört und mündlich weitergegeben. Sie haben es niedergeschrieben, getrieben vom Heiligen Geist. Paulus erinnert seinen jungen Mitarbeiter Timotheus im zweiten Brief: »Und dass du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, die dich unterweisen können zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.« Das griechische Wort, das Luther mit »von Gott eingegeben« übersetzt, ist theopneustos. Es heisst wörtlich: von Gott gehaucht. Die Schrift ist Gottes Atem. Sie trägt sein Leben in sich. Sie ist nicht bloss menschliches Zeugnis über Gott. Sie ist Gottes Selbstzeugnis durch menschliche Schreiber. Der Geist hat die Schreiber so geführt, dass ihre Worte zugleich ganz ihre und ganz seine sind. Es ist das Wunder der Inspiration: Gott schreibt durch Menschen, so dass die Schrift ganz Gottes Wort und ganz Menschenwort in einem ist. Und was bezweckt dieses eingegebene Wort? Es unterweist zur Seligkeit. Es lehrt die Wahrheit. Es weist zurecht, wo wir irren. Es bessert, wo wir gefallen sind. Es erzieht in der Gerechtigkeit, lebenslang. Das Ziel: dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zubereitet zu jedem guten Werk. Die Schrift ist kein Museum für alte Wahrheiten. Sie ist die Werkstatt des Heiligen Geistes, in der er uns formt. Der Apostel Petrus, der mit eigenen Ohren die Stimme des Vaters vom Himmel gehört hatte, als Christus auf dem Berg verklärt wurde, schreibt Erstaunliches. Er beruft sich nicht auf seine Erfahrung. Er schreibt im zweiten Brief: »Und so haben wir das prophetische Wort umso fester, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.« Das geschriebene prophetische Wort ist fester als selbst die hörbare Stimme vom Himmel. Das griechische Wort, das Petrus verwendet, ist bebaioteros – der Komparativ von bebaios, was fest, gewiss, zuverlässig bedeutet. Das prophetische Wort ist fester, gewisser, zuverlässiger als alles andere, selbst als die Gotteserfahrung auf dem Berg der Verklärung. Warum? Weil Erfahrungen vergehen und in der Erinnerung verblassen. Aber das geschriebene Wort Gottes bleibt. Es ist da, wenn die Gefühle schweigen. Es leuchtet, wenn die Dunkelheit drückt. Es ist die Lampe in der Nacht, bis der Morgenstern Christus selbst in unseren Herzen aufgeht. Schliesslich der Prophet Jesaja. Er steht im Alten Bund und ruft dem Volk Israel zu, als es sich von Gott ab und den Totenbeschwörern und Zeichendeutern zugewandt hatte: »Ja, nach dem Gesetz und nach dem Zeugnis! Werden sie das nicht sagen, so werden sie die Morgenröte nicht haben.« Das ist die klare Regel. Wenn Menschen neue Offenbarungen suchen ausserhalb dessen, was Gott bereits gesagt hat, bleiben sie in der Finsternis. Die Morgenröte kommt nur denen, die sich an das geschriebene Wort halten. Das Gesetz und das Zeugnis – die Thora und die Propheten – sind der Masstab, der Prüfstein, die Richtschnur. Was ihnen widerspricht, mag noch so verlockend erscheinen; es ist Nacht und nicht Licht. Das ist der biblische Faden, den die Westminster-Väter aufnehmen. Von Mose über David und Jesaja bis hin zu Paulus und Petrus – die Schrift selbst bezeugt, dass Gott sich in der Schöpfung offenbart hat, dass diese Offenbarung aber nicht zur Seligkeit führt, dass er darum übernatürlich geredet hat und dass dieses Reden nun ganz und gar in der Schrift festgehalten ist. Darauf können wir uns verlassen.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Versammlung in der Westminster-Abtei begann im Juli 1643. Hundertzwanzig Theologen waren berufen worden, dreissig Laien kamen hinzu. Sie sassen nicht im Elfenbeinturm. Draussen tobte der Krieg. Drinnen rangen sie um jedes Wort, jeden Satz, jede Formulierung. Wenn wir den ersten Abschnitt des Bekenntnisses lesen, müssen wir verstehen, gegen wen und wofür die Väter schrieben. Sie standen gegen mehrere Fronten zugleich, und jede einzelne Formulierung ist eine bewusste Antwort auf einen konkreten Irrtum ihrer Zeit. Die erste Front war Rom. Das Konzil von Trient hatte wenige Jahrzehnte zuvor erklärt, dass die mündliche Tradition neben der Schrift eine gleichwertige Quelle der Offenbarung sei. Die Schrift allein genüge nicht, so lehrte Rom. Die Kirche müsse sie auslegen, und die Tradition der Väter ergänze, was der Schrift fehle. Gegen diese Lehre setzen die Westminster-Väter das klare Bekenntnis, dass die Schrift ganz und gar niedergeschrieben ist. Die früheren Wege der Offenbarung haben aufgehört. Der Kanon ist geschlossen. Keine Tradition, kein Konzil, kein Papst fügt dem geschriebenen Wort etwas hinzu. Die zweite Front waren die Sozinianer und Deisten, die die natürliche Vernunft über die Schrift stellten. Sie lehrten, der Mensch könne aus eigener Kraft alles erkennen, was zur Seligkeit nötig sei. Die Bibel sei höchstens eine nützliche Ergänzung für die Ungebildeten, aber nicht notwendig. Gegen sie bekräftigen die Väter die Unzulänglichkeit der natürlichen Gotteserkenntnis. Das Licht der Natur zeigt Gottes Macht und Gottheit – so dass kein Mensch sich entschuldigen kann. Aber es zeigt nicht den Weg der Erlösung. Ohne die Schrift tappen wir im Dunkeln, was das Heil betrifft. Die dritte Front waren die Schwärmer, die Enthusiasten und die radikalen Sekten, die neue Offenbarungen beanspruchten. Sie sagten, der Geist rede unmittelbar zu ihnen, ausserhalb und über der Schrift. Manche von ihnen verwarfen die Bibel ganz und beriefen sich nur auf das innere Licht. Gegen sie erklären die Väter, dass die früheren Wege der Offenbarung aufgehört haben. Der Geist gibt heute keine neuen Offenbarungen. Sein Werk ist es, die bereits gegebene Schrift zu erleuchten und auf Herz und Gewissen anzuwenden. Robert Shaw, der schottische Theologe, dessen Auslegung des Bekenntnisses zum Standardwerk wurde, weist auf die theologische Genauigkeit des ersten Abschnitts hin. Jeder Satz schliesst einen Irrtum aus und hält zugleich die biblische Wahrheit fest. Die Väter bestätigen die allgemeine Offenbarung, aber sie begrenzen sie. Sie bejahen die übernatürliche Offenbarung, aber sie binden sie an die Schrift. Sie betonen die Notwendigkeit des Geistes, aber sie binden den Geist an das Wort. Kein Entweder-Oder, sondern ein klares Sowohl-Als-Auch, das auf der Schrift gegründet ist. B.B. Warfield, der Princeton-Theologe, der sein ganzes Leben dem Studium der Schriftlehre widmete, betont, dass die Westminster-Väter nichts Neues erfanden. Sie formulierten, was die Kirche von Anfang an geglaubt hatte. Das Bekenntnis ist ein Bekenntnis – es bekennt, was bereits geglaubt wurde. Die Väter standen in der Tradition der frühen Kirche, die den Kanon erkannt hatte, in der Tradition der Reformatoren, die das sola scriptura wiederentdeckt hatten, und in der Tradition der presbyterianischen Kirche, die von Anfang an auf der Schrift als ihrer einzigen Grundlage gestanden hatte. A.A. Hodge arbeitet in seinem Kommentar vier aufeinanderfolgende Aussagen heraus: Erstens, das Licht der Natur offenbart Gottes Existenz und einige seiner Eigenschaften, so dass die Menschen ohne Entschuldigung sind. Zweitens, diese Erkenntnis ist nicht hinreichend zur Seligkeit. Drittens, darum hat Gott eine übernatürliche Offenbarung gegeben. Viertens, diese Offenbarung ist nun ganz der Schrift anvertraut. Jede dieser Aussagen ist notwendig. Fehlt die erste, werden wir zu Skeptikern. Fehlt die zweite, werden wir zu Rationalisten. Fehlt die dritte, verleugnen wir die Gnade. Fehlt die vierte, öffnen wir die Tür zu neuen Offenbarungen.

Theologische Tiefe

Die Lehre von der Schrift, die das Bekenntnis im ersten Abschnitt entfaltet, ist in der reformierten Theologie über Jahrhunderte vertieft und entfaltet worden. Wir haben das Vorrecht, auf den Schultern von Riesen zu stehen. Was die Westminster-Väter in einen Absatz fassten, haben die Lehrer der Kirche in vielen Büchern ausgelegt. Wir greifen einige ihrer wichtigsten Einsichten heraus. Johannes Calvin, der Genfer Reformator, hat dieser Lehre eine unübertroffene Anschaulichkeit verliehen. In der Institutio entfaltet er einen Gedanken, der zum Kernstück des reformierten Schriftverständnisses geworden ist: die Schrift ist die Brille, durch die wir Gottes Offenbarung in der Schöpfung richtig sehen. Die Schöpfung ist voller Herrlichkeit, aber unsere Augen sind durch die Sünde getrübt. Calvin vergleicht es mit einem alten Mann, der ein schönes Buch vor sich liegen hat und kaum zwei Worte entziffern kann. So sehen wir die Herrlichkeit Gottes in der Natur, ohne sie recht zu verstehen. Die Schrift setzt uns die Brille auf. Sie korrigiert unsere Sicht. Sie sammelt die verwirrte Erkenntnis Gottes, die wir aus der Natur haben, und zeigt uns den wahren Gott klar. Noch tiefer greift Calvins Lehre vom inneren Zeugnis des Heiligen Geistes. Die Schrift trägt ihre Autorität nicht von der Kirche, nicht von der Tradition, nicht von der menschlichen Vernunft. Sie ist, mit Bullingers Worten, autopistos – selbstglaubwürdig. Aber der sündige Mensch erkennt diese Autorität nicht von selbst. Der Geist muss das Herz öffnen. Calvin besteht darauf, dass der Geist und das Wort unauflöslich miteinander verbunden sind. Wer den Geist ohne das Wort sucht, wird betrogen und endet im Wahn. Wer das Wort ohne den Geist studiert, bleibt trocken und unberührt. Der Herr hat das Licht seines Geistes mit der Klarheit seines Wortes so verknüpft, dass wir das Wort erst dann mit voller Überzeugung annehmen, wenn der Geist es in unseren Herzen versiegelt. Deshalb soll jeder Christ vor dem Lesen der Schrift um die Erleuchtung des Geistes beten. Ein Gebet ohne Lesen ist Schwärmerei. Ein Lesen ohne Gebet ist tote Orthodoxie. Heinrich Bullinger, der treue Nachfolger Zwinglis in Zürich, hat dieselbe Lehre in seinem Zweiten Helvetischen Bekenntnis festgehalten, das für die reformierten Kirchen der Schweiz jahrhundertelang massgeblich war. Er schreibt im ersten Kapitel: "Wir glauben und bekennen, dass die kanonischen Schriften der heiligen Propheten und Apostel beider Testamente das wahre Wort Gottes sind und ihre Autorität aus sich selbst haben, nicht aus den Menschen." Und weiter: "Gott selbst hat zu den Vätern, Propheten und Aposteln geredet und redet noch täglich durch die Heilige Schrift zu uns." Das ist eine Aussage von ungeheurer Tragweite. Wenn der Pfarrer am Sonntag die Schrift recht auslegt und predigt, dann redet Gott selbst. Die Predigt des Wortes Gottes ist Wort Gottes. Das verleiht der Schrift eine Aktualität, die kein anderes Buch hat. Sie ist nicht ein Bericht über das, was Gott früher einmal gesagt hat. Sie ist das Mittel, durch das Gott heute zu uns spricht. Wenn wir die Bibel aufschlagen, sitzen wir nicht im Archiv. Wir sitzen im Thronsaal. Huldrych Zwingli, der Hirte des Grossmünsters, hatte mit derselben Überzeugung die Reformation in Zürich begonnen. In seiner Schrift "Von der Klarheit und Gewissheit des Wortes Gottes" zeigt er, dass die Schrift klar ist. Sie bedarf nicht der päpstlichen Auslegungstradition, um verstanden zu werden. Gott hat so geredet, dass sein Volk ihn verstehen kann. Das heisst nicht, dass alles in der Schrift einfach wäre; Petrus selbst sagt, dass in den Briefen des Paulus manches schwer zu verstehen ist. Aber die Botschaft des Heils ist klar. Das Evangelium ist verständlich. Der Weg zur Seligkeit ist deutlich. Darum kann und soll jeder Christ die Schrift lesen und verstehen. Theodor Beza, Calvins Nachfolger in Genf, verteidigte die Lehre von der Schrift gegen Angriffe von allen Seiten. Er lehrte mit Nachdruck, dass die Schrift in allem, was sie sagt, wahr und zuverlässig ist. Sie ist ein Spiegel, in dem wir Gott erkennen. Beza bestand auf der vollkommenen Genugsamkeit der Schrift: nichts darf ihr hinzugefügt, nichts von ihr weggenommen werden. Sie enthält alles, was wir zum Glauben und Leben brauchen. Was nicht in der Schrift gelehrt wird, ist für das Heil nicht notwendig. Pierre Viret, der Reformator der Westschweiz und Freund Calvins, brachte diese Lehre dem einfachen Volk nahe. Er war ein begnadeter Prediger und Seelsorger, der die reformierte Überzeugung von der Schrift in die Dörfer und Städte der Romandie trug. Viret lehrte, dass die Schrift das himmlische Brot ist, von dem die Seele lebt. Wie der Leib ohne Brot stirbt, so stirbt die Seele ohne das Wort Gottes. Kein Christ kann ohne tägliche Nahrung aus der Schrift gesund bleiben. Thomas Watson, der englische Puritaner, brachte die reformierte Lehre auf die Kanzel und in die Herzen der einfachen Leute. Seine Sprache ist voller Bilder, die haften bleiben. Die Schrift, sagt Watson, ist mit silbernem Glanz siebenmal geläutert. Sie hat keinen Fehler. Sie ist ein Strahl der Sonne der Gerechtigkeit, ein kristallener Strom, der aus dem Quell des Lebens fliesst. Watson gibt eine Reihe von Argumenten für den göttlichen Ursprung der Schrift: die Majestät ihres Stils, die Übereinstimmung aller ihrer Teile, das Alter ihrer Schriften, die Erfüllung ihrer Prophetien, die wunderbare Bewahrung ihres Textes durch Jahrhunderte der Verfolgung – und vor allem ihre Kraft, das menschliche Herz zu verwandeln. Andere Bücher mögen das Herz erwärmen, aber die Schrift verwandelt es. Andere Bücher mögen bewegen, aber die Schrift macht lebendig. Die Kraft der Schrift, Sünder zu bekehren und Heilige zu trösten, ist der beste Beweis, dass sie von Gott ist. Watson warnt auch vor der Vernachlässigung der Schrift. Viele können stundenlang in den Spiegel schauen, sagt er, aber ihre Augen tun weh, wenn sie die Bibel aufschlagen. Er fragt: Warum lesen viele die Bibel und werden nicht besser? Seine Antwort ist schneidend und prüfend: Weil sie die Schrift nicht als Regel des Lebens lesen, sondern nur als Stoff für die Erkenntnis. Sie lesen, um den Kopf zu füllen, nicht um das Herz zu reformieren. Die Schrift ist nicht zum Diskutieren gegeben, sondern zum Gehorchen. A.A. Hodge, der Princeton-Theologe des neunzehnten Jahrhunderts, gibt in seinem Kommentar zum Bekenntnis eine glasklare Zusammenfassung. Die Natur, sagt er, ist ein Buch in einer fremden Sprache; die Schrift ist die Übersetzung. Die Natur ist ein unreguliertes Uhrwerk; die Schrift ist der Zeiger, der uns sagt, wie spät es ist. Die Natur ist eine dunkle Laterne; die Schrift ist die Kerze, die darin angezündet wird. Ohne die Schrift sind wir wie ein Schiff auf dem Meer ohne Kompass. Wir sehen die Sterne, aber wir finden den richtigen Kurs nicht. Die Schrift gibt uns die genaue Kenntnis, die wir zum Leben und Sterben brauchen. Hodge unterscheidet sorgfältig zwischen dem, was die Schrift leistet, und dem, was sie nicht leistet. Sie ist kein Lehrbuch der Naturwissenschaft. Sie ist kein Handbuch der Philosophie. Sie ist das Buch des Heils. Sie lehrt uns, was wir wissen müssen, um gerettet zu werden und Gott zu ehren. Alles, was darüber hinausgeht, überlässt sie den menschlichen Künsten und Wissenschaften, die auch Gaben Gottes sind, aber auf einem anderen Gebiet. B.B. Warfield, der vielleicht grösste Schriftgelehrte der reformierten Tradition, bringt die Lehre auf ihren präzisesten Punkt: Die Schrift ist nicht bloss die Aufzeichnung einer vergangenen Offenbarung. Sie ist selbst Offenbarung. Wenn Paulus von der theopneustia spricht, von der Gottgehauchtheit der Schrift, dann meint er nicht, dass die inspirierten Männer der Vergangenheit Gottes Geist empfingen und dann aus eigenem Antrieb schrieben. Er meint, dass die Schriften selbst Gottes Geist in sich tragen, dass sie vom Geist Gottes durchweht und durchdrungen sind. Die Bibel ist das Reden Gottes in schriftlicher Form. Wenn wir die Schrift lesen, hören wir Gottes Stimme. Nicht die Stimme der Propheten und Apostel, so sehr sie auch ihre eigenen Worte schrieben. Sondern die Stimme Gottes, der durch sie und in ihnen redete. Warfields Lehre war für die Kirche von unschätzbarem Wert, weil sie einen folgenschweren Irrtum abwehrt – den Irrtum, die Bibel werde erst dann zu Gottes Wort, wenn sie zu uns spricht oder wenn wir im Glauben antworten. Nein, die Bibel ist Gottes Wort, ob wir es glauben oder nicht. Ihre Autorität hängt nicht von unserer Anerkennung ab. Der Richter spricht, ob der Angeklagte zuhört oder nicht. Das Wort Gottes steht fest im Himmel, und was immer die Menschen auf Erden davon halten.

Anwendung für das reformierte Leben

Theologie, die nicht das Herz erreicht, ist tote Theologie. Die Väter von Westminster schrieben ihr Bekenntnis nicht für die Bibliothek, sondern für die Kanzel, für den Hauskreis, für den stillen Kammer. Was bedeutet diese Lehre nun für uns, die wir in der Schweiz leben, im Erbe der Reformation, mit der Bibel in unseren Händen und in unseren Häusern? Fünf Fragen sollen unser Gewissen prüfen. Erstens: Worauf gründet sich dein Vertrauen in die Bibel? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Glaubst du, dass die Bibel Gottes Wort ist, weil deine Eltern es dir gesagt haben? Weil dein Pfarrer es predigt? Weil die Kirche es seit Jahrhunderten lehrt? Das ist gut und recht; Gott gebraucht menschliche Zeugen. Aber wenn dein Glaube an die Schrift nur auf menschlicher Autorität ruht, dann wird er wanken, wenn diese Autorität versagt. Calvin lehrt uns, dass das letzte Fundament das innere Zeugnis des Heiligen Geistes ist, das testimonium internum Spiritus Sancti. Derselbe Geist, der die Schrift eingegeben hat, muss dein Herz überzeugen, dass sie Gottes eigenes Wort ist. Hast du je darum gebetet? Hast du den Herrn gebeten, dir die Augen zu öffnen? Beten vor dem Lesen ist kein frommer Brauch. Es ist die Bedingung dafür, dass das Lesen Segen bringt. Wer die Bibel wie ein gewöhnliches Buch liest, wird aus ihr nur gewöhnliche Gedanken schöpfen. Aber wer den Geist bittet, den Schleier wegzunehmen, wird die Herrlichkeit Gottes auf diesen Seiten entdecken. Zweitens: Wie gehst du mit der Schrift um? Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen dem Lesen der Bibel als einem grossen Buch und dem Hören auf die Stimme des lebendigen Gottes. Wer die Bibel als Menschenwort behandelt, liest sie kritisch, wählerisch, nach seiner eigenen Bequemlichkeit. Er nimmt, was ihm gefällt, und lässt, was ihn stört. Er sitzt als Richter über dem Wort. Aber wer weiss, dass hier Gott redet, der liest mit Ehrfurcht. Er sitzt als Hörer unter dem Wort. Die Puritaner fragten einander mit bohrendem Ernst: Liest du die Schrift als Pflicht oder als Freude? Kommst du zu ihr mit Hunger oder mit Gleichgültigkeit? Zitterst du vor ihren Verheissungen und Warnungen oder überfliegst du sie achtlos? Wir Schweizer wissen, was es heisst, in den Bergen einen festen Tritt zu suchen, bevor man den nächsten Schritt wagt. So sollten wir die Schrift lesen: Fuss für Fuss, mit heiliger Vorsicht, wissend, dass ein Fehltritt teuer bezahlt wird, dass hier ewiges Leben und ewiger Tod auf dem Spiel stehen. Drittens: Suchst du nach neuen Offenbarungen? Der Kanon ist geschlossen. Der Geist gibt heute keine neuen Prophezeiungen, die dem geschriebenen Wort gleichzustellen wären. Er gibt keine neuen Worte vom Herrn, die die Bibel ergänzen würden. Sein Werk ist es, das bereits Gegebene zu erleuchten, zu öffnen, auf Herz und Gewissen anzuwenden. In einer Zeit, in der viele nach dem Neuen, dem Sensationellen, dem Aussergewöhnlichen jagen, ist diese Lehre ein notwendiger Dämpfer. Prüfe alle Lehre, alle Erfahrung, jede innere Eingebung an dem, was geschrieben steht. Was nicht mit der Schrift übereinstimmt, mag noch so glänzend erscheinen – es ist Finsternis und nicht Licht. Jesaja hat es für immer festgehalten: Wenn sie nicht nach dem Gesetz und dem Zeugnis reden, werden sie die Morgenröte nicht schauen. Wer neue Offenbarungen neben der Schrift sucht, wird das Licht verlieren, das er zu haben meint. Viertens: Erkennst du die Grenzen der natürlichen Gotteserkenntnis? In der Schweiz, wo die Schönheit der Schöpfung uns umgibt, wo die Gipfel des Berner Oberlands, die Ufer des Zürichsees und die Stille der Jurahöhen die Seele erheben, ist die Versuchung gross, in der Natur eine hinreichende Offenbarung Gottes zu sehen. Viele sagen: Ich brauche keine Bibel, ich finde Gott in den Bergen. Das Bekenntnis antwortet mit biblischer Klarheit: Die Berge zeigen dir Macht, aber nicht Barmherzigkeit. Sie zeigen dir Grösse, aber nicht Gnade. Sie zeigen dir den Schöpfer, aber nicht den Erlöser. Geniesse die Schönheit der Schöpfung mit dankbarem Herzen. Preise Gott für jeden Sonnenaufgang und jede Blume. Aber suche dein Heil nicht in ihnen. Das Heil ist in der Schrift offenbart, und nirgends sonst. Ein Mensch kann sein ganzes Leben in den herrlichsten Alpentälern verbringen und doch verloren sein, weil er den Weg zum Kreuz nie gefunden hat. Fünftens: Welchen Wert misst du dem geschriebenen Wort bei? Thomas Watson erzählt von Königin Elisabeth von England, die bei ihrer Krönung die Bibel mit beiden Händen empfing, sie küsste, an ihr Herz drückte und sagte, dieses Buch sei allezeit ihre grösste Freude gewesen. Eine Königin küsste das Buch, das viele Christen verstauben lassen. In der Schweiz haben wir die Bibel in Dutzenden von Übersetzungen. Auf jedem Telefon, in jedem Nachttisch, in jedem Hotelzimmer. Und vielleicht liegt sie gerade darum unbeachtet. Lieber Bruder, liebe Schwester: Was ist dir die Schrift wert? Sie ist das Feld, in dem die Perle von grossem Preis verborgen liegt. Sie ist die Mine, in der wir nach Gold graben, das nie rostet. In diesem Buch spricht der Schöpfer des Himmels und der Erde zu dir. Jedes Mal, wenn du die Seiten aufschlägst, trittst du vor seinen Thron. Behandle die Bibel nicht wie die Zeitung von gestern. Behandle sie wie den Brief deines Königs. Lies sie, bis jedes Wort in dein Herz eingeschrieben ist. Bewahre sie, als hinge dein Leben daran. Denn das tut es. Sechstens: Gibst du das Wort weiter? Wir in der Schweiz sind mit Bibeln überschwemmt. Aber in vielen Teilen der Welt, in verfolgten Kirchen, in unerreichten Völkern, beten Christen um eine einzige Bibel mit mehr Inbrunst, als wir um unser tägliches Brot beten. Und noch viel mehr Menschen haben nie gehört, dass Gott geredet hat. Dass der Schöpfer aller Dinge sich herabgelassen hat, in menschlicher Sprache zu seinem Geschöpf zu sprechen. Das geschriebene Wort ist das Mittel, durch das der Glaube kommt, denn der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber aus dem Wort Gottes. Wenn du die gute Botschaft empfangen hast, bist du verpflichtet, sie weiterzugeben. Durch dein Gebet. Durch dein Zeugnis. Durch dein Geben, das die Verbreitung der Schrift fördert. Das Wort ist nicht für dich allein. Es ist das Licht, das für alle Völker entzündet ist. Das Bekenntnis beginnt mit dem Wort Gottes, weil das christliche Leben mit dem Wort Gottes beginnt. Gott hätte schweigen können. Er hätte uns in der Finsternis unserer eigenen Gedanken lassen können. Aber es gefiel ihm, zu reden. Es gefiel ihm, sein Reden niederschreiben zu lassen. Es gefiel ihm, dieses Wort durch Stürme der Verfolgung und Feuer der Zerstörung zu bewahren. Und es gefiel ihm, es in deine Hände zu legen. Schätze es. Studiere es. Glaube es. Befolge es. Denn derselbe Gott, der vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat, redet heute durch dieses Buch zu dir. Er ist nicht stumm. Sein Wort ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Selig sind, die es hören und bewahren.

Gebet

Allmächtiger ewiger Gott, der du das Licht aus der Finsternis hast hervorleuchten heissen und der du in unsere Herzen scheinst, die Erleuchtung zur Erkenntnis deiner Herrlichkeit im Angesicht Jesu Christi zu geben: wir preisen dich für die unaussprechliche Gabe deines heiligen Wortes. Wir danken dir, dass du uns nicht im trüben Licht der Natur hast wandern lassen und nicht im Dunkel menschlicher Überlieferung. Du hast zu uns geredet. Du hast dein Reden durch Propheten und Apostel aufschreiben lassen. Du hast dein Wort durch alle Stürme der Geschichte bewahrt, durch Verfolgung und Verachtung, durch die Feuer der Zerstörung und die Kälte der Gleichgültigkeit hindurchgetragen. Und du hast es in unsere Hände gelegt, in unsere Sprache übersetzt, in unsere Häuser gebracht. Wir bekennen dir, himmlischer Vater, dass wir dieses köstliche Geschenk oft gering geachtet und undankbar behandelt haben. Wir fanden Zeit für so vieles, aber zu wenig Zeit für dein Wort. Wir haben viele Bücher gelesen, aber dein Buch blieb ungeöffnet. Wir haben uns von lauten Stimmen unterhalten lassen, aber deine stille Stimme haben wir überhört. Vergib uns diese Trägheit, diesen Undank, diese Torheit. Gib uns, so bitten wir dich, das innere Zeugnis deines Heiligen Geistes. Überführe unsere Herzen, dass die Schrift dein eigenes, vom Himmel herabgeredetes Wort ist. Öffne unsere Augen, damit wir die Wunder in deinem Gesetz schauen. Entzünde in uns ein Feuer der Liebe zu deinem Wort, das nicht erlischt, wenn die Gefühle wechseln. Lass dein Wort unsere tägliche Speise sein, süsser als Honig, köstlicher als Gold und Silber. Mache es zur Leuchte unseres Fusses und zum Licht auf unserem Weg. Lass uns nicht einen Tag leben ohne das Brot, das vom Himmel kommt. Bewahre uns vor dem Hochmut, der über deinem Wort stehen und es nach eigenem Gutdünken zurechtbiegen will. Bewahre uns vor der Leichtfertigkeit, die es übergeht und meint, auch ohne dein Reden leben zu können. Bewahre uns vor der falschen Frömmigkeit, die neue Offenbarungen sucht, während das geschriebene Wort ungenutzt bleibt. Lass deine Kirche auf diesem Felsen stehen. Wenn die Winde der falschen Lehre wehen, wenn die Wellen der Zeitmode kommen und gehen, wenn falsche Propheten ihre Stimme erheben – dann lass deine Gemeinde unerschütterlich bleiben, gegründet auf dem Fundament der Apostel und Propheten, mit Jesus Christus als dem Eckstein. Und wenn einst der Tag anbricht, an dem wir dich sehen werden von Angesicht zu Angesicht, wenn der Glaube zum Schauen wird und die Hoffnung zur Erfüllung, dann werden wir die Schrift nicht mehr brauchen, denn wir werden das Wort selbst sehen, Jesus Christus, deinen Sohn und unsern Herrn. Bis dahin aber lass uns dein geschriebenes Wort festhalten, lieben, verkündigen und bewahren. Dir, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, sei Ehre und Lob, Anbetung und Dank, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
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