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Erwählung und Verwerfung

Die Lehren von der Erwählung und der Verwerfung — Gottes souveräne Auswahl einiger zur Erlösung und sein gerechtes Übergehen anderer — gehören zu den tiefgründigsten und demütigendsten Wahrheiten des christlichen Glaubens. Das Westminster-Bekenntnis (WCF 3.3) bekennt:

Durch den Ratschluss Gottes, zur Offenbarung seiner Herrlichkeit, sind etliche Menschen und Engel zum ewigen Leben vorherbestimmt und andere zum ewigen Tode verordnet.

Erwählung: Gottes souveräne Auswahl

Die Erwählung ist Gottes ewige, unbedingte Auswahl bestimmter Personen zur Erlösung in Jesus Christus. Sie ist:

Der klassische Text ist Epheser 1,4–5: „Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe; und hat uns vorherbestimmt zur Kindschaft gegen sich selbst durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens." ^[raw/en/wcf-ch03-s02.md]

Verwerfung: Gottes gerechtes Übergehen

Die Verwerfung ist die andere Seite des Ratschlusses — Gottes Entscheidung, die Nichterwählten zu übergehen und sie zur gerechten Strafe für ihre Sünden zu verordnen. Die Verben des Bekenntnisses sind mit Bedacht gewählt: Die Erwählten werden „vorherbestimmt" (praedestinati), die Verworfenen werden „verordnet" (ordinati).

Die reformierte Tradition unterscheidet zwei Aspekte innerhalb der Verwerfung:

  1. Die Übergehung (lateinisch praeterire, vorübergehen) — Gott erwählt bestimmte Personen schlicht nicht und belässt sie in der Masse des Verderbens, in die Adams Sünde das ganze Menschengeschlecht gestürzt hat. Dies ist ein Akt göttlicher Souveränität; Gott war nicht verpflichtet, irgendjemanden zu erwählen.

  2. Die Vorherverurteilung (oder Verdammnis) — Gott verordnet diese übergangenen Personen zur ewigen Strafe um ihrer Sünden willen. Dies ist ein Akt göttlicher Gerechtigkeit, der die Sünde voraussetzt und ihre gerechte Strafe verordnet.

Wie William Perkins erklärte: „Der Ratschluss der Verwerfung ist, als eine Handlung Gottes, nicht gegen die Gerechtigkeit, sondern gemäß der Gerechtigkeit, und darum darf Gott nicht der Grausamkeit oder Ungerechtigkeit bezichtigt werden, wenn er etliche verwirft, denn er könnte gerechterweise alle verwerfen." ^[raw/en/wcf-ch03-s03.md]

Der Töpfer und der Ton

Die maßgebliche Darstellung des Paulus in Römer 9,21–23 gebraucht das Bild des Töpfers:

Hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu weniger ehrenvollem Gebrauch zu machen? Da aber Gott seinen Zorn erweisen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Langmut die Gefäße des Zorns ertragen, die zur Verdammnis bestimmt waren, damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit kundtäte an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat.

Die Grammatik ist bedeutsam: Die Gefäße des Zorns sind „zur Verdammnis bestimmt" (katērtismena, Perfekt Passiv) — durch ihre eigene Sünde zugerichtet; die Gefäße der Barmherzigkeit sind von Gott selbst „zuvor bereitet" (proētoimasen, aktiv).

Der Zweck: Die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes

Der letzte Zweck sowohl der Erwählung als auch der Verwerfung ist „die Offenbarung seiner Herrlichkeit". Hätte Gott alle gerettet, wäre seine Barmherzigkeit gezeigt, aber seine Gerechtigkeit verborgen. Hätte er alle verdammt, wäre seine Gerechtigkeit gezeigt, aber seine Barmherzigkeit verborgen. Im tatsächlichen Ratschluss — etliche aus Gnade gerettet, andere durch Gerechtigkeit verdammt — erstrahlen alle sittlichen Eigenschaften Gottes gemeinsam.

Das freie Angebot des Evangeliums

Der Ratschluss ist geheim; das Evangelium ist öffentlich. Kein lebender Mensch kann mit Gewissheit wissen, dass er verworfen ist, denn solange das Evangelium erklingt, steht die Tür der Barmherzigkeit offen. Thomas Watson rät: „Wenn du wissen willst, ob du erwählt bist, so forsche nicht in Gottes geheimem Rat, sondern prüfe dein eigenes Herz. Findest du die Kennzeichen der Erwählung darin? Ein Herz, das über die Sünde trauert, ein Wille, der zu Christus gezogen wird, ein Leben, das für Gott ausgesondert ist — dies sind die Siegel der Erwählung auf der Seele."

Seelsorgerliche Anwendung

Die Lehre tötet den geistlichen Stolz (Was hast du, das du nicht empfangen hast?), verankert die Heilsgewissheit (Gottes Erwählung hängt nicht von deinem schwankenden Glauben ab) und beflügelt die Evangelisation (Gott hat ein Volk in jeder Stadt, das er durch das gepredigte Wort retten wird).

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