Die Lehre von Gottes ewigem Ratschluss ist das Fundament der gesamten reformierten Theologie — die Behauptung, dass Gott von Ewigkeit her frei und unveränderlich alles bestimmt, was geschieht. Das Westminster Bekenntnis, Kapitel 3, Abschnitt 1, formuliert dies mit unübertroffener Präzision:
Gott hat von Ewigkeit her durch den weisesten und heiligsten Ratschluss seines eigenen Willens frei und unveränderlich alles bestimmt, was geschieht; doch so, dass Gott dadurch weder der Urheber der Sünde ist, noch den Willen der Geschöpfe vergewaltigt, noch die Freiheit oder Zufälligkeit der Zweitursachen aufgehoben, sondern vielmehr bestätigt wird.
Der entscheidende Ausdruck lautet: »alles, was geschieht«. Die Westminster-Väter weigerten sich bewusst, dies einzuschränken oder abzumildern. Der Ratschluss umfasst:
Das Bekenntnis beschreibt den Ratschluss mit fĂĽnf Bestimmungen:
Das große Zeugnis der Schrift ist Epheser 1,11: Gott, »der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens«. ^[raw/en/wcf-ch03-s01.md]
Das Bekenntnis beantwortet sogleich drei Einwände:
»Gott dadurch weder der Urheber der Sünde ist« — Gott ordnet das Dasein sündiger Handlungen an, ist aber nicht die Ursache ihrer Sündhaftigkeit. Der materielle Akt fällt unter den Ratschluss; die formale Sündhaftigkeit entspringt der eigenen Verdorbenheit des Geschöpfes. ^[raw/en/wcf-ch03-s01.md]
»Noch den Willen der Geschöpfe vergewaltigt« — Der Ratschluss übergeht oder verletzt das menschliche Wollen nicht. Wenn ein Mensch sündigt, sündigt er, weil er sündigen will, nicht weil Gott ihn wider seinen Willen zwingt.
»Noch die Freiheit oder Zufälligkeit der Zweitursachen aufgehoben, sondern vielmehr bestätigt« — Zweitursachen (natürliche Vorgänge, menschliche Entscheidungen) sind wirkliche Ursachen. Gottes Ratschluss macht sie nicht zu Illusionen; er bestätigt ihre Wirklichkeit und Wirksamkeit.
WCF 3,2 stellt klar, dass Gottes Ratschluss nicht auf seinem Vorherwissen beruht:
Obwohl Gott alles weiß, was unter allen vorausgesetzten Bedingungen geschehen kann oder könnte, hat er doch nichts deshalb beschlossen, weil er es als zukünftig voraussah oder als das, was unter solchen Bedingungen eintreten würde.
Dies ist die entscheidende anti-arminianische Sicherung. Gott beschlieĂźt nicht, jemanden zu retten, weil er voraussieht, dass dieser Mensch glauben wird. Vielmehr weiĂź er voraus, weil er beschlossen hat. Der Ratschluss ist die Ursache des ZukĂĽnftigen, nicht dessen Wirkung. ^[raw/en/wcf-ch03-s02.md]
Die Schrift gründet die Erwählung in Gottes eigenem »Ratschluss und [seiner] Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt« (2 Tim 1,9) und nicht in irgendeiner vorausgesehenen Bedingung im Geschöpf.
Einwand: Wenn Gott alles beschlossen hat — warum beten? Antwort: Das Gebet ist das Mittel, das Gott verordnet hat, um das zu vollziehen, was er beschlossen hat. Der Ratschluss bestimmt sowohl das Ziel als auch die Mittel. Thomas Watson schrieb: »Wer das Ziel beschlossen hat, hat auch die Mittel beschlossen, die zum Ziel führen.«
Die Lehre vom Ratschluss ist nicht Fatalismus. A. A. Hodge bestand darauf, dass der Fatalismus eine unpersönliche, unvernünftige Kraft denkt; der Ratschluss hingegen ist die Absicht einer unendlich weisen, heiligen und gütigen Person. Der Fatalismus entleert das menschliche Handeln; der Ratschluss bestätigt es. Der Ratschluss gibt dem Gebet seine Kraft, den Mitteln ihre Wirksamkeit und dem menschlichen Bemühen seine Bedeutung.
Der Ratschluss ist nicht gegeben, um theologische Neugier zu befriedigen. Er ist dazu da, die Herzen der Kinder Gottes im Leiden zu festigen. Nichts widerfährt dem Gläubigen aus Zufall; jede Prüfung ist Teil einer ewigen, weisen und liebenden Absicht. B. B. Warfield schrieb: »Der Mensch, der niemals das erdrückende Gewicht des göttlichen Ratschlusses gespürt hat, hat niemals das ABC der wahren Religion gelernt.«